![]() Farb-Info 2006 |
Jahrestagung 2006 in Dresden Abstracts 2006 |
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Donnerstag 28.09.06 |
Freitag 29.09.06 | Samstag 30.09.06 | ||
| Programm Rot |
Programm Grün |
Programm Rot |
Programm Grün |
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ab 10.00 Uhr
ab 11.00 Uhr
ab 13.00 Uhr
14.00 Uhr 15.00 Uhr Kaffeepause
15.30 Uhr
16.30 Uhr
17.00 Uhr 20.00 Uhr Tagungsparty
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9.00 - 9.45 Uhr
9.45 - 10.30 Uhr 10.30 - 11.00 Uhr Kaffeepause
11.00 - 11.45 Uhr
11.45 - 12.30 Uhr 12.30 - 14.00 Uhr Mittagspause
14.00 - 14.45 Uhr
14.45 - 15.30 Uhr 15.30 - 16.00 Uhr Kaffeepause
16.00 - 16.45 Uhr
16.45 - 17.30 Uhr
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9.00 - 9.45 Uhr
9.45 - 10.30 Uhr
10.30 - 11.00 Uhr
11.00 - 11.45 Uhr
11.45 - 12.30 Uhr
12.30 - 14.00 Uhr
14.00 - 14.45 Uhr
14.45 - 15.30 Uhr
15.30 - 16.00 Uhr
16.00 - 16.45 Uhr
16.45 - 17.30 Uhr Programm für Mitglieder des Deutschen Farbenzentrum e. V.
18.00 Uhr
18.30 Uhr |
9.00 - 9.45 Uhr
9.45 - 10.30 Uhr
10.30 - 11.00 Uhr
11.00 - 11.45 Uhr
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14.00 - 14.45 Uhr
14.45 - 15.30 Uhr
15.30 - 16.00 Uhr
16.00 - 16.45 Uhr
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9.00 - 10.30 Uhr
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11.00 - 12.30 Uhr
12.30 - 14.00 Uhr
14.00 - 14.45 Uhr
14.45 - 15.30 Uhr
15.30 - 16.00 Uhr
16.00 - 16.45 Uhr Programm für Mitglieder des Deutschen Farbenzentrum e. V.
17.00 Uhr
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Sonntag 01.10.06 Kulturprogramm |
10.00 - 13.00 Uhr Wiederholung Besichtungs-programm „Licht+Farbe“ |
Führung durch die Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen |
Vortrag + Führung Lichtdruck-Museum
Exkursion nach Dresden-Hellerau Ende: 13.00 Uhr |
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Abstracts der 'Farbinfo 2006'
Vorträge
Elka Baudis
Ein projektives Verfahren für Kommunikation und Evaluation in Seminaren und
Coachings
In Ihrem Kurzvortrag: „Bunte Puppen stellen" wird die Organisations- und Farbberaterin Elka Eva Baudis von Image & Kommunikation Ihnen Ergebnisse von zwei Untersuchungen vorstellen. Die Tätigkeit als Seminarleiterin, Teamentwicklerin und Coach veranlasste die Autorin, das Medium Farbe zum Einsatz zu bringen. Es entstand die Idee der farbigen Holzpuppen, die als projektives Verfahren zur Anwendung kommen. Projektive Verfahren unterliegen keiner Zensur, keiner Rationalisierung, da der Hintergrund des Einsatzes in der Regel weitgehend uneinsichtig ist. Die im Handel angeboten Holzgliederpuppen für künstlerisches Gestalten scheinen dafür geeignet, denn die Figuren sollen nicht nur ihren farbigen Zweck erfüllen, sondern gleichzeitig körpersprachliche und systemische Aufgaben erfüllen. Die farbliche Gestaltung der Puppen folgte eine Quellenanalyse aus: Frieling Kernaussagen, Untersuchungsergebnisse ICA, Assoziationen zu Farben von Eva Heller und untersuchten Assoziationen Farbe-Adjektive der Autorin.
Martin Benad
Die Ordnung der Farbbeziehungen als Gestaltungsgrundlage im Werk Friedrich
Ernst von Garniers
Systeme sind weder sinnvoll noch unsinnig, allein ihr Bezug auf eine Fragestellung kann Sinn machen oder unsinnig sein. Sinnvoll ist er, wenn das Problem, das mit Hilfe eines Systems bearbeitet oder geregelt wird, auf derselben Ebene liegt, auf der das System Strukturen abbildet. Farbgestalter bemängeln oft das Ungenügen metrischer Systeme bzw. Farbordnungen, da solche Ordnungen viele für die Gestaltung wichtige Gesichtspunkte nicht abbilden.
Zwei für Farbgestalter wichtige Farbordnungen liegen den farbkünstlerischen Arbeiten Friedrich Ernst von Garniers zugrunde:
- die Ordnung der vertrauten Lichtstimmung (eine impressionistische
Farbordnung)
- die Ordnung farbiger Wechselbeziehungen (die Grammatik der Farbe)
Beide Ordnungen sind interaktive Ordnungen. Mit ihrer Hilfe lassen sich Verhältnisse (Relationen) erfassen und gestalten. Während die erste Ordnung bei der Auswahl einer Farbpalette hilfreich ist, ermöglicht die zweite deren kompositorische Umsetzung am Objekt. "Vertraute Lichtstimmung" und "Grammatik der Farbe" sind die Grundlage einer klanghaften Farbigkeit, die sich dadurch auszeichnet, dass der Betrachter eines Bauwerks dessen farbige Erscheinung als rhythmischen, gleichsam musikalischen Prozess intuitiv mitvollziehen kann.
Der Vortrag zeigt anhand von Gestaltungen Friedrich Ernst von Garniers, wie diese Ordnungen sinnvolle Arbeitsgrundlagen der farbgestalterischen Praxis sind. Darüber hinaus werden Präsentationen vorgestellt, die vom Vortragenden in Zusammenarbeit mit dem Architekten Jürgen Opitz für eine Methodik-Didaktik der Architekturfabenlehre entwickelt wurden. Benads neues Buch "Lehre der Farbgestaltung nach Friedrich Ernst von Garnier" erscheint im Frühjahr 2007.
Priv. Doz. Eckhard Bendin
„…Hoffen wir das Beste."
Anmerkungen zum 50. Todestag von Otto Prase (1874-1956)
„Schade, dass man als Urheber einer guten und brauchbaren Sache nicht wie ein Dienstmann mit einem Schild in der Mütze herumlaufen kann, das Jedermann über die verborgenen Qualitäten des Mützenträgers aufklärt. Auch ein regenbogenfarbiger Heiligenschein wäre zu dem Zweck vielleicht in Erwägung zu ziehen! - Nun, vielleicht habe ich das Glück, daß mir ein solcher Schein noch von selbst wächst. Hoffen wir das Beste!" (aus Prase, O.: Aus den Lebenserinnerungen eines alten Malermeisters. Unveröffentl. Fragment, 1954)
Kaum Jemandem, der heute zu den wenigen Farbsystematikern zu rechnen ist, deren grundlegende Arbeit die Entwicklung geprägt und vorangebracht haben, ist bisher wohl mehr Ungerechtigkeit und weniger Beachtung widerfahren, als dem ab 1911 in Aue/Sa. sowie später dann bis zu seinem Tode 1956 in Lößnitz/Sa. wirkenden Malermeister Andreas Emil Otto Prase. Weder zu Lebzeiten noch in den nunmehr vergangenen 50 Jahren nach seinem Tod wurde die außerordentliche fachliche Leistung des begabten Malermeisters öffentlich beachtet und gebührend gewürdigt. Bedenkt man aber, welchen Einfluß seine systematischen Grundentscheidungen sowohl auf den Erfolg der Baumann’schen Farbtonkarten als auch auf die heute gebräuchlichen Druckfarben-Systeme Hickethier bzw. Küppers hatten, bedenkt man außerdem, daß sich ebenso für das heutige digitale Farbmanagement dezimal gegeliederte Zahlenwerte für Farbanteile (CMYK bzw. RGB) durchgesetzt haben, so erscheint eine besondere Würdigung der durch Otto Prase bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geleisteten Pionierarbeit mehr als gerechtfertigt, ohne dabei andere Leistungen zu schmälern
(Lambert 1772 / Charpenthier 1885).
Prase selbst reflektiert im hohen Alter seine entsprechenden Erfahrungen mit dem ihm eigenen selbsterhaltenden Humor, der in der optimistischen Aussage gipfelt: Hoffen wir das Beste! Es ist höchste Zeit, daß Otto Prase Gerechtigkeit widerfährt und ihm das Glück des „regenbogenfarbigen Heiligenscheines" endlich zuwächst. Auch die besondere Würdigung der Leistungen des fast vergessenen, visionären Malermeisters aus Lößnitz/Sa. in der kleinen tagungsbegleitenden Ausstellung ‚Schnittstelle Farbe II’ (Sammlung Farbenlehre /TU Dresden) soll einen Beitrag dazu leisten.
Gisela Braune
Farbe und individuelles Image mit dem Natural Color System
Als ich mich vor 17 Jahren am damals marktführenden Institut Deutschlands zur Farbberaterin ausbilden ließ, ordnete man die Menschen nach ihren angeborenen Eigenfarben von Haut, Haaren und Augen einer Jahreszeit zu. Auch heute wird fast überall noch die Jahreszeitentypologie praktiziert.
Es ist ein System, welches nur von Optik und Ästhetik getragen wird, etwa nach dem Motto: „Ich lege dir ein buntes Tuch um und sage dir welche Jahreszeit du bist." Derartige Zuordnungen richten meiner Meinung mehr Schaden an, denn sie verunsichern Menschen, die doch Hilfe erfahren wollen. Vom Grundsatz her ist es ohne Zweifel richtig, dass jedem Menschen bestimmte Farben gut stehen. Mit der Jahreszeitentypologie bin ich jedoch an Grenzen gestoßen und der Meinung, dass es keine gute Lösung ist, 6 Milliarden Menschen in vier Schubladengruppen einzuteilen. Wir würden alle genormt und schlimmstenfalls als personifizierte Jahreszeit durch die Gegend laufen. Dabei ist jede Norm das Gegenteil von Stil! Als Farbberaterin steht es mir nicht zu, jemanden eine Farbe abzusprechen. Farbe entspricht immer der inneren Befindlichkeit und bedarf eigener subjektiver Empfindungen. Neben der optischen Wirkung sollte der Mensch mit Farben seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen dürfen. Farbe ist unser stärkster visueller Kommunikator. Wir unterstellen unwillkürlich, dass die Botschaft der Farben beabsichtigt ist, schließlich hat jeder die Farben seiner Kleidung frei gewählt. Schon frühzeitig begann ich die vorgefertigten Farbenpässe auseinander zu nehmen und individuell zusammen zustellen. Mit dem NCS habe ich jedoch ein System gefunden, welches es mir erlaubt in gemeinsamer Arbeit mit meinen Kunden ganz individuelle Farbabstufungen in großer Vielfalt vorzunehmen. Wichtig erscheint mir, die Farbe auch verbal exakt definieren zu können und nicht mehr mit subjektiven Farbbezeichnungen arbeiten zu müssen. Ein großer Vorteil der NCS-Farben ist, dass sie UV-unempfindlich lackiert sind und sich auch über Jahre nicht verändern. Zudem können die Farbmuster beim Einkauf direkt auf die Stoffe gelegt werden. So wird der gewünschte Farbton auch bei nicht optimaler Beleuchtung schnell gefunden.
Axel Büther
Wie es sich anfühlt, Farbe und Licht zu sehen
Ein Versuch der Beschreibung des Erlebnisgehaltes von Farbe und Licht aus der Auseinandersetzung mit dem Raumerleben von Blindgeborenen.
Dr. Hajo Düchting
Farbkonzepte am Bauhaus
„Damals war Farbe Fanfare" – so charakterisierte der Bauhausstudent Wolfgang Hildebrandt, der unter Anleitung von Hinnerk Scheper die Wände und Decken des Bauhauses anstreichen half, den Einsatz der Farbe am historischen Bauhaus. Das Bauhaus steht für Funktion, Rationalität und Planung. Als Farben assoziiert man meist das Weiß des Baukörpers, das Grau des Betons, das Schwarz der Stahlfenster und die Transparenz der Glasfronten.
Wie sehr jedoch Farbe in starken Buntwerten und intensiven Kontrasten eingesetzt wurde, zeigte die Renovierung der Meisterhäuser von Feininger und Klee in der Dessauer Mustersiedlung.
Farbe stand nicht nur im Mittelpunkt der Vorkurslehre von Johannes Itten und war von dominanter Bedeutung im propädeutischen Unterricht von Klee und Kandinsky, sondern war in der gesamten Bauhauszeit ein umfassender Forschungsgegenstand in nahezu allen Bereichen des Bauhauses. Das aus der modernen Malerei übernommene Verständnis der „reinen Farbe", dem viele ans Bauhaus berufene Künstler-Lehrer folgten, wurde allerdings modifiziert durch die wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Farbe. Die unterschiedlichsten Farbsysteme und Farbtheorien wurden nicht nur im propädeutischen Unterricht vorgestellt, sondern auch in regelrechten Farbseminaren (Ludwig Hirschfeld-Mack) kontrovers diskutiert.
Die Ergebnisse dieser Farben-Forschung fanden dann wiederum Eingang in die Werkstätten und wurden in den Produkten des Bauhauses erprobt und angewandt.
„Farbe am Bauhaus" – das ist ein Themenkomplex, der bis in die Bühnenbilder und Aufführungen der Bauhaus-Bühne wie auch in die Innenraumgestaltung und Architekturplanung hineinwirkte und als Grundlagenforschung bis heute seinen historischen Stellenwert behalten hat.
Dr. Dietmar Elger
Gerhard Richter: Vom Grau zu 1024 Farben
Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren. Seit mehr als vier Jahrzehnten entwickelt er ein künstlerisches Werk, dessen Bilder, wie die kaum eines anderen Künstlern, von einer thematischen und stilistischen Vielfalt und Widersprüchlichkeit bestimmt werden. Diese Eigenschaften prägen auch seinen Umgang mit der Farbe. Gerhard Richter ist nie ein Kolorist im klassischen Sinne gewesen, also ein Maler, welcher die Farben in delikanten Nuancen ausbalanciert hätte. Sein Zugang zur Farbe ist ein synthetischer. Richters Bildern bieten dem Betrachter tatsächlich die erstaunliche Vielfalt zwischen der Monochromie einer einzigen Graus und der Buntheit von exakt 1024 unterschiedlichen Farben an. Wie Gerhard Richter gerade auf diese Zahl gekommen, u. a. darauf wird der Vortrag eine Antwort geben.
Prof. Dr. Horst Hartmann
Vom Hansagelb zum Ferrarirot – 150 Jahre synthetische organische Farbmittel
Mittel zum Anfärben von Gegenständen und zum Einfärben textiler Materialien sowie Farbpigmente zur grafischen und bildlichen Gestaltung von Gemälden und Druckerzeugnissen spielen in der Kulturgeschichte der Menschen von jeher eine große Rolle. Waren es bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts fast ausschließlich natürliche Farbmittel, die vorwiegend aus Mineralien hergestellt oder gewonnen wurden, sind es heutzutage in der Regel Farbmittel, die auf chemischem Wege künstlich hergestellt werden und dadurch im Gegensatz zu früher in fast jeder denkbaren Nuancierung verfügbar sind. Die ersten künstlichen Farbpigmente auf mineralischer Basis wurden im 18. Jahrhundert aufgefunden, als man verstärkt auf der Suche nach bisher unbekannten chemischen Elementen war und dabei vor allem ihre Besonderheiten kennen lernen wollte. Markiert wird diese Periode durch die Entdeckung des Berliner Blaus durch H. Diesbach im Jahre 1704, und sie reicht bis an das Ende des 20. Jahrhunderts, in dem vor allem verbesserte Verfahren zur Herstellung mineralischer Pigmente auf chemischem Wege entwickelt wurden. Der Anlass zur Herstellung künstlicher organischer Farbmittel lag dagegen auf einem gänzlich anderem Gebiet, der mit der praktischen Verwendung dieser Stoffen nichts zu tun hatte, sondern aus dem Wunsche resultierte, ein wirksames Mittel gegen die tropische Schlafkrankheit Malaria zu entwickeln. Dabei entdeckte der Engländer W. Perkin im Jahre 1856 achtzehnjährig das Mauvein, den ersten aus Produkten des Teers hergestellten Textilfarbstoff. Diese Entdeckung wirkte als Initialzündung, denn von da an wurden in rascher Folge zahlreiche weitere Teerfarbstoffe aufgefunden und zum Einsatz gebracht. Sie eroberten sich sehr schnell einen überragenden Platz vor allem im Bereich der Textilfärberei und verdrängten weitgehend die bis dahin benutzten Naturfarbstoffe, von denen einige den Nachteil hatten, entweder, wie der Antike Purpur, sehr kostbar oder, wie manche mineralischen Farbmittel, sehr giftig zu sein.
Die Entwicklung künstlicher organischer Farbpigmente begann mit der Herstellung der ersten gelben Hansa-Marken im Jahre 1890 auf Basis von Azoverbindungen und setzte sich fort mit vornehmlich rot färbenden Naphtol AS-Pigmenten aus der gleichen Stoffklasse. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden in England die ersten blauen Farbpigmente aus der Klasse der sog. Phthalocyanine entdeckt, denen dann später insbesondere Purpur-Pigmente auf Chinacridon- und Perylendiimid-Basis folgten. Eine der letzten bedeutenden Entwicklung auf dem Farbpigment-Sektor waren die von der Fa. CIBA auf dem Markt gebrachten Diketopyrolopyrrol-Pigmente (DPP), deren typischster Vertreter das sog Ferrairot (Pigmentrot 254) ist, welches sich besonders durch sein hohe Farbstärke und Brillanz auszeichnet. Die Schaffung und Entwicklung künstlicher Farbmittel spiegelt einen wichtigen Teil der europäischen Industriegeschichte, dabei insbesondere der von Deutschland, wider, das sich innerhalb weniger Jahrzehnte am Ende des 19. Jahrhunderts von einem weitgehend wirtschaftlich unbedeutenden und politisch zersplitterten Agrarland zu einer führenden europäischen Industrienation entwickelte und dadurch insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Weltgeschichte, sowohl im positiven wie auch leider im negativen Sinne, entscheidend beeinflusst hat. Die hier skizzierte und im Vortrag weiter vertiefte Entwicklungsgeschichte der industriellen Herstellung von Farbstoffen und Farbpigmenten wird in ihren Grundzügen durch die Historische Farbstoffsammlung der TU Dresden reflektiert, die ein besonderes Kleinod im Ensemble der kultur- und wissenschaftshistorisch wertvollen Sammlungen an dieser Lehr- und Forschungseinrichtung darstellt und in zunehmenden Maße von interessierten Gästen aus dem In- und Ausland besucht wird.
Prof. Dr. Hans Irtel
Das Psychologische an einem psychologischen Farbsystem
Ein psychologisches Farbsystem ist eine geometrische Darstellung psychologischer Eigenschaften von Farben. Ausgangspunkt aller Farbsysteme ist die Zuordnung von Farben zu Metamerieklassen von Farbreizen, wie sie durch das CIE Farbsystem von 1931 geleistet wird. Das Psychologische dieses Systems besteht darin, dass es erlaubt vorherzusagen, ob zwei Farbreize, die im gleichen Kontext dargeboten werden, gleich aussehen oder nicht. Wichtigstes Strukturmerkmal dieses Systems ist die Invarianz der Metamerie gegenüber additiver Mischung: Reize, die gleich aussehen, sehen auch dann noch gleich aus, wenn zu beiden das gleiche Licht hinzuaddiert wird. Das CIE-System hat daher die Struktur eines linearen Vektorraums (Graßmann, 1853). Die konsequente Weiterentwicklung des CIE-Systems verlangt die Integration weiterer psychologischer Relationen zwischen Farben. Dabei hat sich jedoch gezeigt, dass die Repräsentation verschiedener psychologischer Attribute durch einzelne geometrische Konzepte zu Unverträglichkeiten führt. So wissen wir heute, dass die Darstellung der Gegenfarbenpaare Rot/Grün und Blau/Gelb als orthogonale Basis eines Farbraums mit der Darstellung von Farbähnlichkeit als Distanzmetrik in diesem Raum nicht verträglich ist. Das Ziel der Farbforschung sollte darüber hinaus nicht nur sein, Aussagen über gleiches Aussehen oder Ähnlichkeit zu machen, sondern auch Aussagen über emotionale und ästhetische Wirkungen von Farben zu erlauben. Neuere Ergebnisse zur emotionalen Wirkung von Farben zeigen, dass deren Integration in bestehende Farbsysteme schwierig ist, da beispielsweise die emotionale Wirkung bestimmter Chromastufen nicht unabhängig vom Farbton beschrieben werden kann.
Dr. -Ing. Stefan Jäger
Einsatz bildgebender Multispektralsysteme zur Serienfarbmessung in der
Automobilindustrie
Der zunehmende Kostenwettbewerb im Automobilbereich und die steigenden Qualitätsanforderungen der Kunden erfordern von Fahrzeugherstellern die Entwicklung und Einführung innovativer Produktionslösungen. Für die Optimierung der Lackierprozesse von Karosserien und Anbauteilen werden daher in Zukunft serienüberwachende bildgebende Verfahren in der Produktion Einzug halten.
Zweck eines solchen Systems ist die ortsaufgelöste Erfassung der spektralen Oberflächenreflexion und die Berechnung von CIELAB Farbwerten einer Probe bei freier Wahl von Normbeleuchtung und Normbeobachter. Ziel der Serienüberwachung ist eine farbmetrische Qualitätsbeurteilung der produzierten Bauteile und daraus resultierend eine Prozessteuerung der überwachten Anlage. Im Rahmen der Entwicklung eines entsprechenden Systems muss auf die spezifischen messtechnischen Anforderungen an die mit Effektlack beschichteten Bauteile und auf die aus der Produktions- und Prozesstechnik resultierenden Randbedingungen eingegangen werden.
Dipl. -Ing. Philipp Kittelmann
Experimentelle Untersuchung von Farbschwellen und großen Farbabständen im
CIELAB-Farbenraum
Es wird berichtet von welchen Faktoren die Farbunterschiede zwischen zwei Farben abhängen. Es wird dabei vor allem der Bereich der Farbschwellen betrachtet. Zusätzlich wird der Bereich der großen Farbunterschiede mit DE*ab größer als 10 untersucht. Aus den experimentellen Daten ergeben sich Rückschlüsse auf die Empfindung von Farbschwellen in den verschieden Bereichen des CIELAB-Farbenraumes. Außerdem soll untersucht werden wie gut sich die verschiedenen Farbabstandsformeln, unter anderem die CIEDE2000-Formel, zur Berechnung von Farbschwellen und von großen Farbabständen eignen.
Jan Caspar Klitzing
Der Zustand der kodifizierten Farbwelt und meine künstlerische Umsetzung
Nie werde ich meine erste Fahrt 1990 nach Weimar vergessen. Alles war grau und stumm. Stumm war die Umgebung, nichts sprach zu mir. Denn wir haben gelernt, dass verschiedene Farben eine Information in sich tragen, die wir unterbewusst ständig entschlüsseln. Aber wo keine Farben da keine Information, also ist die Umgebung stumm.
Dieser Zustand resultiert aus meiner sozialen Konditionierung auf Farben. Wir haben gelernt Farben eine Bedeutung zuzuordnen, wie die rote Ampel, die „Stopp" sagt. Oder die roten Kirschen die sagen: „ bitte kauf und esse mich". Unsere Umwelt ist mit Farben überfrachtet, welche Tag und Nacht kreischend und flüsternd unsere Aufmerksamkeit erheischen.
Es gibt nun ein Auto, das man in 365 verschiedenen Farben bestellen kann.. Oder auch Eiscreme in neon-blau.
Dabei kann es sich nicht nur um ein ästhetisches Phänomen handeln. Diese Farben sagen etwas. Sie tragen eine Information in sich. Farben kodieren Inhalte. Wir haben gelernt, diese auf einen Blick zu entschlüsseln. Das heißt aber auch, dass diese nonverbale Kommunikation zum Allgemeinwissen gehört. Also verschiedene Farben haben definierte allgemein gültige Inhalte. Farben sind die Art und Weise wie uns Oberflächen erscheinen. Das heißt, die Menschheit wird von Oberflächen(Bildern!!) programmiert, was man aber nicht als eine revolutionäre Neuigkeit unserer Neuzeit ansehen kann. Schon im Mittelalter, im Zeitalter des Analphabetismus, waren Bilder und Farben die einzige Möglichkeit zur Kommunikation mit der Masse.
Aber ist das Heute auch noch so? Ist die kodifizierte Farbwelt noch in Ordnung?
Dieser Vortrag soll diese Frage beantworten.
An Hand meines Licht-Farb-Kunst-Projektes, das ich für das Fête des Lumières in Lyon mache, zeige ich die Erkenntnisse.
Dr. Marina Linares
Farb- und Tonsysteme: Analogien und Differenzen
Viele Kunsttheoretiker haben sich bei ihren Farbenlehren an der Musik orientiert: Die Aufteilung des Farbkontinuums in Stufen ist oftmals dem Tonsystem nachempfunden, zur Musiktheorie analoge Gesetzmäßigkeiten der Harmonie wurden aufgestellt und sogar Dur/Moll-Modi konstruiert. Während aber die Tonsysteme innerhalb einer Musikkultur allgemeine Gültigkeit besitzen, hat sich in der Kunst kein einheitliches Farbsystem durchsetzen können. Der Vortrag will die Unterschiede von Farb- und Tonsystemen sowie ihre Relevanz in der Kunst bzw. Musik erklären.
Dr. Eva Lübbe
Farbsysteme in der Realität
In den 2600 Jahren, in denen sich der Mensch bewusst mit Farben befasst hat, sind mehr als 60 verschiedene Farbordnungssysteme entstanden. Angefangen von linearen, über zahlreiche Kreismodelle zu geometrischen Körpern von den Philosophen der Antike bis zu Naturwissenschaftlern und Künstlern der Gegenwart. Und ein Ende ist nicht abzusehen.
Wir sind bestrebt unsere Empfindungen in einer Ordnung darzustellen und streiten immer noch über Anzahl, Stellung und Harmonien der Farben im Farbenkreis. Dabei haben wir Farbsysteme nicht nur geschaffen, um unsere Empfindungen zu ordnen, nein wir benötigen auch Farbräume um unterschiedliche Medien wie Fernsehen, Fotographie und Druck miteinander zu vergleichen.
Nicht zu vergessen die Metasysteme, die Farben z. B. mit Astrologie (Tierkreiszeichen) verbinden oder mit menschlichen Energien (die indische Chakraleiter).
Und die Modelle dieser Farbräume existieren nicht nur in unserem Kopf, sondern in der Realität
Brigitta Milde
„der staub der photonen farbig". Carlfriedrich Claus und die Farbe
Carlfriedrich Claus (1930 – 1998), den man »vor allem als Schwarz-Weiß-Künstler kennt« (Gerhard Wolf), hat seine Sprachblätter in Rot, in Blau, in Gelb und Grün geschrieben, vielfarbige Werke und nahezu einfarbige mit einem umso bedeutsameren Farbakzent. Zudem hat er Farbe nicht nur mit den klassischen Schreibmaterialien Feder und Tusche, sondern auch heftig gestisch mit Pinseln und Fingern aufgetragen und verrieben. Philosophische, poetologische und formalästhetische Überlegungen waren Voraussetzung wie Bestandteil seines Werks und schließen die Auseinandersetzung mit dem Thema Farbe ein. Die Autorin nähert sich dem Umgang von Carlfriedrich Claus mit der Farbe zunächst über seine Farbreflexionen als Rezipient. Als Interpret hat Carlfriedrich Claus Essays zum Werk so bedeutender Künstler wie Paul Klee, Fernand Léger oder Fritz Winter verfasst und der Farbe dabei immer eine bedeutende Rolle zugewiesen. Aber auch in seinem eigenen künstlerischen Tun war Farbe mehr als nur „Beschreibstoff". Anknüpfend an die formale Ästhetik war die Materialität der lasierenden oder opaken, linearen oder flächigen Farbe gleichzeitig Gegenstand der Gestaltung. Ihre wahrnehmungspsychologische Wirkung unterstützte seine generelle Intention nach Verräumlichung und Bewegung. Schließlich gewann Carlfriedrich Claus der Farbe eine semantische Funktion ab, seine Sprachblätter in verschiedene Bedeutungsebenen zu gliedern. Dieser Künstler lebte die Utopie, mit dem Kunstwerk sich selbst und die Welt zu gestalten -, sich selbst vervollkommnend auf das Kunstwerk und die Welt zurückzuwirken. Farbe war nicht nur notwendig materialer Bestandteil jedes Sprachblatts von Carlfriedrich Claus, sie ist in der Verbindung mit Licht Teil seines Erlösungsprojekts, das bei der Klärungsarbeit am Ich beginnt als Klärungsarbeit an der Welt.
Dr. -Ing. AnneMarie Neser
Historischer Farbstaub - Die Mal- und Künstlerfarbenfabrik Nerchau
Die Geschichte der Mal- und Künstlerfarbenfabrik Nerchau ist eine wechselvolle Geschichte und spiegelt in vielfältiger Weise auch die Geschichte der sächsischen Farbenindustrie wider. Nach und nach wurden renommierte sächsische Künstlerfarbenhersteller (der Dresdner Künstlerfarbenhersteller Neisch & Co., die Firma Jung & Kröner aus Leipzig und der Künstlerfarbenfabrik Berger aus Friedersdorf) durch Übernahmen an den Standort Nerchau verlegt. Angesichts dieser sich entwickelnden Konzentration kann Nerchau als ein Zentrum der sächsischen Farbenindustrie angesehen werden. Aber auch die Firmengeschichte der Farbenfabrik Nerchau selbst, vermittelt Einblicke in die Anfänge der chemischen Industrie sowie der Frühindustrialisierung in Sachsen.
Mein Vortrag will zum einen Rechercheergebnisse zur allgemeinen Firmengeschichte wiedergeben, Produktions- und Herstellungsprozesse sind dabei aufgrund mangelnder Unterlagen nicht berücksichtigt worden, und zum anderen einen hoffentlich intensiven und gewinnbringenden Kommunikationsansatz darlegen, begründen, initiieren.
Gegenwärtig macht sich die Künstlerfarbenfirma Nerchau auf, an ältere Traditionen anzuknüpfen und diese mit aktuellen Bezügen zu ergänzen. Als ein Beispiel sei die geplante Zusammenarbeit mit den Kunsthochschulen in Dresden, Leipzig und Berlin zu nennen. Weiterhin ist der Austausch mit Restauratoren gesucht worden, einer Berufsgruppe, die heutzutage wohl noch am intensivsten mit dem Herstellungsprozess der Farben vertraut ist. Es liegt auf der Hand, dass Menschen, die tagtäglich mit Farbe arbeiten, ein besonderes Gespür für das Material besitzen und demzufolge über ein besonderes Urteilsvermögen verfügen.
Zur Zeit wird ausgelotet, wie und in welcher Form eine Zusammenarbeit stattfinden kann und für alle beteiligten Seiten sinnvoll ist. Aber schon die ersten Kontakte zeigen, dass die eingeschlagene Richtung äußerst positive Reaktionen hervorruft und das Interesse an einem fachlich fundierten Austausch und einer intensiveren Zusammenarbeit beiderseits vorhanden ist.
Prof. Dr. Christa Neumeyer
Über die Farbräume von Goldfischen, Schildkröten und anderen Tieren
Die Frage, ob und wie Tiere Farben wahrnehmen, läßt sich nur in aufwendigen Dressurexperimenten beantworten. Im Laufe der letzten 20 Jahre hat sich überraschenderweise gezeigt, daß viele Fische, Amphibien, Reptilien und Vögel ein tetrachromatisches Farbensehen besitzen und somit das trichromatische Farbensehen des Menschen übertreffen. In Analogie zum Farbendreieck des Menschen lassen sich die Farbtöne bei diesen Tieren in einem Tetraeder darstellen. Besonders interessant sind die Farbräume der Reptilien und Vögel, die in ihren Photorezeptoren farbige Öltröpfchen besitzen. Das Ergebnis, daß niedere Wirbeltiere und Vögel ein besseres Farbensehen besitzen als der Mensch, nicht jedoch die meisten Säugetiere, die nur Dichromaten sind, gibt interessante Hinweise auf die Evolution des Farbensehens.
Prof. Klaus Palm
Grenzen der Farbsysteme
Wir sind allen, die sich um die Systematik und Ordnung der Farben bemüht und
verdient gemacht haben, zu großem Dank verpflichtet. Auch mit Ihren Fehlern und
Unzulänglichkeiten haben ohne Einschränkung alle versucht, etwas Unmögliches zu
realisieren. Insofern bitte ich über kritische Anmerkungen um Nachsicht.
Erste Voraussetzung ist es, sich ’Klarheit’ über die Mittel zu verschaffen, derer man sich bedienen möchte.
Was ist ein Farbsystem?
Kurze Erläuterung –
Wo liegen die Grenzen der Farbsysteme?
Hierfür gibt es zwei unterschiedliche Gesichtspunkte:
Die erste Begrenzung liegt im jeweils eigenen System begründet. Wenn ein System inhaltlich funktionieren soll, kann es sich nur um sich selbst kümmern und muss fremde und z.T. übergeordnete Aspekte weitgehend ausschließen.
Der zweite Aspekt ist die Unmöglichkeit eine zum System gehörende Farbe auf eine spezielle Anwendung präzise festzulegen, wozu die Farbe ja ursprünglich und vom System her gedacht ist.
Zur ersten systembedingten Begrenzung:
Es gibt über hundert Farbsysteme
Kurze Beschreibung –
Von dieser relativ großen Anzahl kommen weltweit maximal nur zehn für
Gestaltungsaufgaben in Betracht. Und im Rahmen dieser kleinen Anzahl ist kein
einziges Farbsystem geeignet, allen in Frage kommenden Ansprüchen gleichermaßen
gerecht zu werden - was grundsätzlich nicht auszuschließen, aber wegen des
erforder- lichen Umfanges zu kompliziert und nicht bezahlbar wäre.
Für den deutschsprachigen Raum bleiben nur drei längerfristig angelegte sowie
produkt- und anwendungsunabhängige Farbsysteme übrig.
Kurze Beschreibung –
Hinzu kommen eine Reihe zeit- und produktgebundener Industriefarbsysteme.
Kurze Beschreibung –
Somit sind die vom System her bedingten einschränkenden Grenzen festgelegt.
Eine Überschreitung der jeweils eigenen Grenze wäre Kompetenzanmaßung. Außerhalb
der eigenen Grenzen ist in der Regel Feindesland!
Im Grunde genommen, ist es ein Wettbewerb ungleicher Systeme.
Kurze Beschreibung –
Zum zweiten Aspekt:
Eine zu einem System gehörende Farbe verändert seinen Charakter auf Grund einer
Vielzahl von sich zum Teil noch gegenseitig beeinflussenden Faktoren so stark,
dass der ursprünglich festgelegte Farbton von untergeordneter Bedeutung werden
kann, womit durch die veränderte Farbwahrnehmung eindeutige Grenzen der
Farbsysteme gekennzeichnet werden
Hierzu einige praktische Beispiele, die die Relativität der Farbfestlegung
mit Hilfe eines Farbsystems verdeutlichen
Dipl.-Gemälderestaurator Albrecht Pohlmann
Eine „kommunistische Farbenlehre"?
Die Kontroverse um Ostwalds Farbsystem – eine Machtfrage
Bereits mit den ersten Publikationen geriet Ostwalds Farbenlehre in die Kritik – von seiten der Wissenschaft im Ton moderat, von seiten der Künstler und Kunstwissenschaftler hingegen recht bald lautstark und aggressiv. Wurde - kaum verhüllt chauvinistisch - in den letzten Kriegsjahren der „tiefe deutsche" Denker Goethe gegen die „kalte, berechnende" Lehre Ostwalds in Stellung gebracht, war der Protest der Nachkriegszeit vor allem von der revolutionären Situation der Nachkriegszeit geprägt. Anhand bisher unveröffentlichten Materials nimmt der Beitrag die Kampagne gegen Ostwald zum Ausgangspunkt, die der Stuttgarter Kunsthistoriker Hans Hildebrandt ab 1920 ins Werk gesetzt hatte. Für ein in weiten Teilen desorientiertes Bürgertum war die Kunst zum Religionsersatz und damit heilig geworden – wer eines ihrer Grundelemente, die Farbe, naturwissenschaftlich durchdringen wollte, galt als Ketzer. Da Ostwalds in den Farbatlanten mit bestechender Konsequenz ausgefärbte Farbordnung es einerseits jedem ermöglichte, „harmonische" Beziehungen zu ermitteln, andererseits aber auch Grundlagen für bestehende und kommende Reproduktionstechniken lieferte, bangten Künstler und kunstgenießendes Bildungsbürgertum um ihre ästhetischen Deutungsmacht. Von Ostwalds „Sozialisierung der Farbe" befürchteten sie eine Enteignung ihrer Instrumente zu Produktion und Genuß von Kunst. Die anscheinend unversöhnlichen Gegensätze relativieren sich allerdings vor dem Hintergrund der zeitgenössischen medientheoretischen Reflexionen, die eine Verbindung von Kunst und Wissenschaft geradezu voraussetzten.
Prof. Dr. Klaus Richter
Symmetrischer Farbraum LMSLAB mit Zapfen-Empfindlichkeiten LMS und Vergleich
mit dem Farbenraum CIELAB
Die CIELAB Koordinaten enthalten keinen direkten Zusammenhang mit den drei Zapfenempfindlichkeiten LMS des Farbensehens, die von Valberg (2005) tabelliert werden und auch von der CIE (2005) festgelegt wurden.
Es wird ein symmetrischer Farbraum LMSLAB vorgestellt, der die Elementarfarben (Urfarben) Rot, Gelb, Grün und Blau beschreibt. Die Zapfensignale sind logarithmische Farbkoordinaten. Ihre logarithmischen Werte, z.B.
a’ = (log L – log M)/ [0.5 (log L + log M)] und
b’ = [log S _- (log L + log M)] / [0.5 [log S + (log L + log M)]]
definieren mit geeigneter Normierung Rot-Grün- und Gelb-Blau Koordinaten in einem symmetrischen Farbraum LMSLAB. Die Eigenschaften dieses Farbenraums auf physiologischer Basis werden mit den Eigenschaften von CIELAB verglichen. Viele Vorteile des LMSLAB - Farbenraums, unter anderem eine Beschreibung von Elementarfarben, z.B. Gelb als weder rötlich noch grünlich, gegenüber CIELAB werden diskutiert.
Will Rumi
Farbe bei (künstlichem) Licht gesehen
Mit Licht können farbige Gestaltung unterstützt oder aber zunichte gemachtwerden. Der Einsatz der Lichtfarbe ist hierbei entscheidend. Bei Entwurf und Planung werden oftmals die Bereiche Farbgestaltung und Lichtvollkommen losgelöst voneinander betrachtet. Der kausale Zusammenhang besteht allerdings Tag und Nacht mit den unterschiedlichsten Einflußfaktoren. Mit einem kleinen Versuchsaufbau und verschiedenen Objektfotos soll deutlich gemacht werden wie stark der Einfluß der Lichttechnik auf das Farbempfinden und Farbwahrnehmung auf den Betrachter/Nutzer ist. In der Architektur spricht man heute auch schon von dem Nachtdesign eines Gebäudes und meint die visuelle Darstellung mit Licht. Was in der Praxis sehr oft zu einer Lichtverschmutzung des Abend und Nachthimmels in den Ballungsgebieten führt. Für die direkte Demonstration werden als Leuchtmittel NiedervoltHalogenlampen eingesetzt. Andere Leuchtmittel wie z. B. HalogenMetalldampf mit Keramikbrenner oder Leuchtstofflampen können aufgrund der langen Einbrenndauer in dieser Darstellung nicht genutzt werden. Als Lichtfarben stehen farbige Lampen (blau, grün, gelb, rot) und weiße Lampen mit verschiedenen Farbtemperaturen zur Verfügung. Als Farbmuster für die Demonstration werden Materialmuster eines Bodenbelages im Format A 3 mit verschiedene Strukturen und Farbenzusammenstellungen genutzt.
Prof. Dr. Karl Schawelka
Flagge zeigen -
Wahrnehmungspsychologische Bemerkungen zu den Nationalfarben
Werden in alltäglichen Zusammenhängen Farben zum Gliedern, Auseinanderhalten oder zur Kennzeichnung verwendet, so spielen die verschiedenen gebräuchlichen Farbsysteme, in denen alle Farben geordnet werden, mit ihren Gesichtspunkten wie der überschaubaren Geometrie oder dem Bestreben nach Gleichabständigkeit nur eine sehr geringe Rolle. Es scheint, dass in pragmatischen Lebenszusammenhängen, denkt man an Wasserhähne, Verkehrszeichen, die gelbe und rote Karte beim Fußball, an U-Bahnlinien, Landkarten, Elektrokabel oder auch die Farben, mit denen Tankstellen, Banken, Rennwagen der Formel-1 oder politische Parteien unterschieden werden, eine andere Logik der Farbwahl zum Tragen kommt. So spielt die deutliche Unterscheidbarkeit eine große Rolle. Selten sind die Designer wirklich frei bei der Auswahl.
Das ausgeprägteste und komplizierteste derartige System dürfte das System der Nationalflaggen darstellen, wo an die 200 Entitäten unterschieden werden müssen. Im Vortrag sollen die Regeln untersucht werden, die hier eine Rolle spielen. Zwar werden die wirklichen Gründe der Wahl einer Farbe oder einer Farbkombination kaum je ausgesprochen, da sie meist den Protagonisten selber nicht bewusst sind, so dass die im Nachhinein gefundenen Begründungen wenig überzeugend ausfallen, aber von Willkür oder Zufall kann – wie aufgezeigt werden soll - dennoch nicht die Rede sein. Besondere Aufmerksamkeit soll dem Gesichtpunkt der Emotionalität gewidmet sein, da, wie bei der letzten Fußballweltmeisterschaft ersichtlich, auch konventionell erworbene Markierungen hoch wirksam sein können.
Dipl.-Des. Jürgen Schmidt-Foß
Mathematische Farbreihen
Prof. Friedrich Schmuck
Farbsysteme: Aspekte ihrer Anwendung beim Entwerfen - z.B. von Farben für
Architektur
Zum einen wird untersucht ob die mit den Systemen angebotenen Farben den Erfordernissen der Praxis farblicher Gestaltung, insbesonders in der Architektur, genügen.
Zum anderen wird dargestellt wie mit Hilfe von Farbsystemen Gestaltungskonzepte systematisch zu planen sind und wo die Grenzen solcher systematischen Planung liegen.
Dipl. Ing. Arch. Gertrud Schulze zur Wiesche, Berlin
„Farbsysteme" in der Architektur?
Bruno Taut
‚Die Farbe’
‚Meister des farbigen Bauens’
‚Aufruf zum farbigen Bauen’
Friedensreich Hundertwasser
‚In vollkommener Harmonie mit der Natur’
‚Aller Anfang ist Phantasie’
‚Ein Haus wie seine Bilder’
‚Kreative Architektur mit Fensterrecht und Baummietern’
Fritz Fuchs
‚Silbrig-kühle rote bis erdig-goldene Nuancen’
‚Malvenfarbiges Rosa’
‚Ein festliches Rot – Ein vergrautes Indigo’
‚Verbergen durch Deckfarben und Sichtbar Machen durch Lasur’
‚Nicht anmalen, sondern das Material zum Sprechen bringen’
Dr. Andreas Schwarz
Einiges über Farbsysteme
Hyeon-Jeong Suk, Prof. Dr. Hans Irtel
Farbe + Emotionen: emotionale Wirkung von Farbattributen
Es werden zwei Studien durchgeführt, um die emotionale Wirkung von Farbe zu charakterisieren, sowohl innerhalb einer reinen Farbereizumgebung, als auch eingebettet in einer Folge verschiedenartiger visueller Reize.
In beiden Experimenten wird ein sprachfreies Messverfahren, Self Assessment Manikins (Lang, P. J. (1980). Behavioral treatment and bio-behavioral assessment: Computer applications. In J. Sidowski, J. Johnson, & T. Williams (Hrsg.), Technology in mental health care delivery systems, (119-137), Norwood, NJ: Ablex.), zur Messung emotionaler Wirkungen verwendet.
In der ersten Studie wird der Zusammenhang zwischen Farbattributen (Farbton, Chroma und Helligkeit) und emotionalen Dimensionen, wie positiv-negativ, aufgeregt-ruhig, und dominant-submissiv analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass der Chromawert positiv mit der emotionalen Wirkung korreliert, und zwar bezüglich aller emotionalen Dimensionen. Dieser Effekt wird noch deutlicher, wenn die Farbreize nicht farbmetrisch, sondern nach empfindungsgemäßen Kategorien angeordnet werden.
In der zweiten Studie wird die emotionsauslösende Qualität der Farbe in einem komplexen zeitlichen Reizkontext (Film-clips, Farbbilder, Schwarz-Weiß Bilder und Wörter) untersucht. Die Ergebnisse werden mit denen der ersten Studie verglichen. Es kann ein signifikanter Kontexteffekt in der Erregungsdimension festgestellt werden: die Versuchspersonen fühlen sich bei der Darbietung isolierter Farben stärker aufgeregt als bei Farben, die in andere visuellen Reize eingebettet sind. Die Tendenz, sich mit steigendem Chromawert, positiver, aufgeregter und kontrollierender zu fühlen, wird in beiden Studien gefunden.
Margit Vollmert
Ein Farbsystem als strategisches Marketingtool
Systemweiterentwicklung und Anwendung im Bereich zeitbezogener Kollektionierung
Klaus von Saalfeld
Systeme auf dem Altar der Gleichabständigkeit.
Seit Farben messtechnisch exakt definiert werden und ihre Farborte genau im Farbenraum fixierbar wurden – spätestens seitdem entwickelt scih auch immer mehr der Wille zu schlüssigeren optisch schnell einleuchtenden Gesamtdarstellungsformen. Dieser Drang zum vermeintlich immer besserer Absicherung der Angebote durch symmetrische und geometrische Vergleichbarkeit von Farben ergreift nicht nur die Metriker und Farbtheoretiker sondern ebenso in entsprechend aufbereiteten Kollektionen die anwendenden Color-Manager der Farbenindustrie. Das Referat hinterfragt den Sinn und Nutzen sowie die Unstimmigkeiten solcher Entwicklung. Es wird dafür plädiert, lebendiges Erleben und Reflektieren bei der Auswahl von Farben auf andere Weise – auch individuell „neu" zu unternehmen, um intensiver zu weiterführenden Gestaltungsergebnissen gelangen zu können.
Dipl. Phys. Hans Wagenknecht
Kontrolle von Bilddaten vom Scan bis zum Druck – Farbmanagement in einem
relativen CIELAB-Farbenraum
Als Alternative zu bisherigen ICC-Workflows wird hier ein relativer CIELAB-Farbenraum definiert, der wie im NCS-System als ein Doppelkegel angelegt ist. In diesen werden die gemessenen CIELAB Werte eines Druckers abgebildet und zur Steuerung bei der Druckausgabe benutzt. Dieselben Druckausgaben werden zusätzlich als Scannervorlagen verwendet. Vorteil einer solchen Kontrolle von Scanner-Drucker-Workflow ist eine hohe Genauigkeit in der Übereinstimmung von eingescannten und ausgedruckten Bildern.
Dr. Norbert Welsch
Farbe als zentrales Thema in der Beziehung von Naturwissenschaft und Kunst
Susanne Wied
Möglichkeiten und Grenzen von HPM-COLOR als Farbsystem
Was ist eigentlich ein System? Jeder meint spontan die Antwort zu wissen, kennt aber üblicherweise nur den Kontext der eigenen Zunft. Ein kurzer, verständlicher Diskurs zur allgemeinen Systemtheorie soll den Einstieg erleichtern, einerseits über die „Schnittstellen" der Farbsysteme zu einem erweiterten Verständnis zu gelangen. Andererseits kann sich der Anwender und Theoretiker wie Poet oder Künstler in Sachen Farben auch schnell verdeutlichen wie schnell die kommunikative Grenze von Sinn zu Unsinn für den Einzelnen überschritten ist. Am Beispiel des umstrittenen HPM-COLOR-Modells, das in seiner Komplexität viele Zugangs- und Anwendungsmöglichkeiten bietet, werden diese Überlegungen verdeutlicht.
Dr. -Ing. Dipl. Phys. Jens Witt
Verfahren zur Reproduktion von im CIELAB produzierten Farben
Die farbmetrisch exakte Reproduktion von im CIELAB-Farbraum definierten Farben auf Farbgeräten erfordert eine mathematische verknüpfung des Signalraums mit dem CIELAB-Farbraum. Der Signalraum ist dabei gegeben durch die zur Ansteuerung des Gerätes verwendeten Koordinaten, z.B. Rot (r), Grün (g), Blau (b) beim RGB-Farbraum. Die Verknüpfung kann durch unterschiedliche Modelle, z.B. analytische, geometrische oder physikalische Modelle erfolgen, wobei die hier vorgestellten Verfahren auf geometrischen Modellen basieren. Verschiedene Verfahren werden vorgestellt und die mit ihnen erzielten Ergebnisse am Beispiel verschiedener Prüfvorlagen gezeigt. Des Weiteren erfolgt ein Vergleich der bei der Farbreproduktion auftretenden mittleren Farbabweichungen mit denen eines Standard-ICC-Workflows.
Larissa Erhart & Hans Irtel
Universität Mannheim
Der Einfluss von Oberflächeneigenschaften auf
die emotionale Wirkung von Farben
Farben sind in der Regel an Oberflächen gebunden. Dies wird in der Farbforschung nicht ausreichend berücksichtigt, da deren Ziel häufig Aussagen sind, die unabhängig von Oberflächeneigenschaften gelten sollen. Es ist aber insbesondere bei komplexeren Farbwirkungen, etwa den emotionalen Wirkungen, davon auszugehen, dass diese mit den Oberflächeneigenschaften interagieren. Wir wissen, dass bei glatten oder selbst leuchtenden Oberflächen die emotionale Wirkung einer Farbe wesentlich von den Attributen Farbton, Chroma und Helligkeit abhängt. Es ist daher zu fragen, ob sich diese Ergebnisse auf strukturierte Oberflächen übertragen lassen und welche Interaktionen mit Oberflächeneigenschaften auftreten. In unserer Studie wurde die emotionale Wirkung und die empfundene Intensität von Farben in Verbindung mit unterschiedlich strukturierten Oberflächen gemessen. 48 Versuchspersonen beurteilten farbige Textilien mit verschiedenen Oberflächenstrukturen. Farbton, Chroma und Helligkeit wurden kontrolliert und nach dem Munsell Color System bestimmt. Ausgehend von einem dimensionalen Konzept von Emotionen wurden Valenz (Lust - Unlust) und Erregung (Erregung - Beruhigung) mit der sprachfreien Self-Assessment-Mannikin-Skala von Lang (1980) erhoben. Die statistischen Analysen bestätigen, dass Oberflächenstruktur und Farbattribute einen signifikanten Einfluss haben. Dies gilt sowohl für die Beurteilung der emotionalen Wirkung als auch für die Beurteilung der Farbintensität. Die emotionale Wirkung einer Farbe ist also an die Eigenschaften der Oberfläche gebunden.
Anna Hirschmüller & Hans Irtel
Universität Mannheim
Emotionale Wirkung komplexer
Farbinstallationen
In früheren Studien wurde gezeigt, dass sowohl das Chroma als auch der Farbton einer Farbe deren emotionale Wirkung systematisch beeinflussen. In unserer Studie wurde untersucht, ob sich diese Ergebnisse auf die Gestaltung von Innenräumen mit komplexen Farbmustern übertragen lassen. Geprüft wurden die Hypothesen, dass sich Farbmuster mit geringen Chromawerten in ihrer emotionalen Wirkung bedeutsam von Mustern mit höheren Chromawerten unterscheiden, und dass sich Farbmuster aus verschiedenen, engen Farbtongruppen untereinander ebenfalls bedeutsam in ihrer emotionalen Wirkung unterscheiden. In einem Feldexperiment wurden in Zusammenarbeit mit Studierenden des Studiengangs 'Farbdesign' der HAWK Hildesheim betretbare, full-scale Raummodelle gestaltet, die im Rahmen einer Ausstellung von Besuchern beurteilt wurden. Die emotionale Wirkung wurde mit der Self-Assessment-Manikin-Skala von Lang (1980) erfasst. Diese Skala basiert auf einem dreidimensionalen Emotionskonzept und hat sich in anderen Untersuchungen zur Erfassung emotionaler Wirkungen bewährt. Erste Analysen der Daten bestätigen die Hypothesen. Die Ergebnisse der statistischen Datenanalysen werden auf der Tagung berichtet.