BASF AG: 4. Seminar für angehende Lackingenieure
–
Entwicklung kratzfester Oberflächen
colour-europe.de
28.04.2007. Esslingen/Krefeld. Im April wurde Esslinger und Krefelder Studierenden ein hochkarätiges dreitägiges Seminar bei der BASF AG in Ludwigshafen geboten. Perfekt organisiert von Dipl.-Ing. Klaus Menzel, selbst ein Absolvent der Esslinger Schule, trugen zwölf Referenten des Unternehmens vor. Physiker, Chemiker und Ingenieure stellten die farbige Welt der Pigmente, die Farbtontrends der nahen Zukunft, neue Bindemittelentwicklungen und Härtungssysteme vor, mit denen die Formulierung lösemittelfreier und umweltfreundlicher Lacke gelingt. Laborrundgänge in der Pigmentabteilung und im Technikum der UV-Lackierung boten einen tiefen Einblick.Ein Höhepunkt der Veranstaltung, die zeigte mit welcher
Professionalität sich Neuentwicklungen betreiben lassen, war die
Präsentation der Ökoeffizienzanlayse, einer Kombination von Ökobilanzierung
und Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Die Studierenden aus Krefeld mit Prof. Thomas Brock
und die aus Esslingen, mit Prof. Georg Meichsner und Dipl.-Ing.
Denise Mebarek waren im Business-Hotel der BASF aufs komfortabelste
untergebracht. Die Studierenden äußerten sich äußerst zufrieden darüber,
welchen Stellenwert die angehenden Lackingenieure doch bei einem
Chemiegiganten wie der BASF genießen.

Abgerundet wurde das Seminar durch eine Werksrundfarhrt, auf
dem größten zusammenhängenden Chemiegelände der Welt und durch eine
Weinprobe in der Pfalz, bei der neben der Auffrischung der önologischen
Kenntnisse auch die Kontakte zwischen beiden Hochschulen gefestigt wurden.
(Meichsner)
BYK-Preis
2005 und Wörwag-Preis 2005
übergebenPhänomen
Farbe 06.08.2005.
Kürzlich fanden im Rahmen der Verabschiedung der staatlich geprüften
Lacktechnikerinnen und Lacktechniker an der Fachschule für Lacktechnik (FsLt) in
Stuttgart die Verleihungen des BYK-Preises und des
Wörwag
-Preises statt. Der BYK-Preis wurde von Dr. Wolfgang Kortmann
und Michael Bickel für
die besten Techniker-arbeiten in Verbindung mit der besten Präsentation
überreicht. Den
Preis erhielten Harald Cecon,
Ines Hoffmann,
Kerstin Meyer,
Melanie Richterund Anke Wübbenhorstfür die Entwicklung
eines wässrigen Strukturlacks.
Der
Wörwag-Preis der Karl Wörwag Lack- und Farbenfabrik GmbH
& Co. KG (Stuttgart) wird für besonders
herausragende Leistungen im Bereich der Team-, Kommunikations- und
Sozialkompetenz an einen Absolventen der Fachschule für Lacktechnik Stuttgart
ausgelobt.
Die Klasse
ermittelt den Preisträger mittels eines Beurteilungsbogens eigenständig. Mit
einem eindeutigen Ergebnis wurde Philipp Tenberge für den Wörwag-Preis 2005
nominiert. Der Geldpreis wurde durch Wendelin Benz
und Gerd Schlegelan Philipp
Tenberge
überreicht.
www.lacktechniker.de
FHTE: Drei Preise zur Diplomierung
Phänomen Farbe 15.3.2003. Am 21. Februar erhielten acht Absolventen (drei Damen und fünf Herren) des Studiengangs Chemieingenieurwesen/Farbe-Lack-Umwelt der Fachhochschule Esslingen - Hochschule für Technik (FHTE) ihre Diplomzeugnisse. Dabei wurde Dipl.-Ing. (FH) Annalisa Sinopoli für ihre Diplomarbeit "Untersuchung charakteristischer Merkmale von Kunststoffbauteilen auf die Haftung", die sie bei DaimlerChrysler angefertigt hatte, mit dem Preis der Stadt Esslingen ausgezeichnet. Dipl.-Ing. (FH) Frank Zimmermann konnte für seine ausgezeichnete Gesamtstudienleistung gleich zwei Preise in Empfang nehmen. Er bekam einen Preis für einen herausragenden Studienabschluss an der (gesamten!) FHTE, vergeben vom Verein der Freunde der FHTE e.V. und einen von der Brillux GmbH & Co. KG gestifteten Preis.
Fraunhofer: Multimedial aufbereiten
Phänomen Farbe 15.03.2003. Die Fraunhofer-Gesellschaft will in Zukunft mehr und mehr die breite Palette von Forschungsergebnissen aus ihren derzeit 57 Instituten multimedial aufbereitet der Wirtschaft zur Verfügung stellen. Ein erfolgreicher Startschuss für das neue Fraunhofer-Internet-Portal www.wissen.fraunhofer.de war die Beteiligung an der Learntec-Messe in Karlsruhe Anfang Februar. Sechzehn Institute präsentierten dort gebündelt als "Fraunhofer eQualification" ihre Online-Angebote von der Betriebswirtschaft über diverse Technikgebiete bis hin zu Kursen zum Erstellen von E-Learning-Kursen.
Demokurse können kostenlos eingesehen werden, die kostenpflichtigen E-Learning-Kurse sind hingegen mittels eines Passwortes zugänglich. Prof. Dr. Dennis Tsichritzis, Vorstand der Fraunhofer- Gesellschaft, ist vom langfristigen Erfolg des Angebots überzeugt: "Anders als andere E-Learning-Anbieter generieren wir in unseren Forschungsprojekten selbst Wissen und können auf die topaktuellen Ergebnisse unsere Auftragsforschung für die Industrie zurückgreifen."
Die größte Nachfrage nach Wissen und damit nach Qualifizierung sieht Tsichritzis nicht nur in den Bereichen Information und Kommunikation, sondern zunehmend in den eher traditionellen industriellen Gebieten wie z.B. Produktionstechnik, Werkstoffe sowie Logistik und Verkehr.
Mit der Einrichtung einer E-Learning Gruppe in der Fraunhofer-Zentrale, die als zentraler Ansprechpartner fungiert, wird Kunden der Zugang zu den umfassenden E- Learning-Angeboten erheblich vereinfacht. In Sankt Augustin bündelt die Gruppe die Angebote unter der Marke "Fraunhofer eQualification" auf dem Portal vermittelt auf Anfrage Kontakte zu den fachlich geeigneten Fraunhofer-Instituten und unterstützt die Institute bei der Produktion, Bereitstellung und Vermarktung von E-Learning- Kursen.
Phänomen Farbe, 15.03.2003. Trotz mangelndem Interesse an EDV und Technik sind die Studentenzahlen insgesamt deutschlandweit gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Insgesamt haben im Wintersemester 358.000 Studienanfänger ein Hochschulstudium begonnen, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von immerhin 4%. Bei der Gesamtzahl der Studierenden wurde damit ein neuer Höchststand von 1,95 Mio. erreicht.
Wie der Verband Angestellter Akademiker (VAA), die Berufsvertretung von Führungskräften der chemischen Industrie, kürzlich mitteilte, sind aber die Studiengänge in den Bereichen Informatik und Ingenieurwissenschaften bei Studienanfängern zur Zeit offenkundig weniger gefragt. Mit nur 30.000 Einschreibungen zum Wintersemester 2002/03 im Fach Informatik ist die Zahl der Studienanfänger in diesem Bereich um insgesamt 17% gesunken, wie das Statistische Bundesamt am 29. November 2002 mitteilte. Somit hat sich das von 1995 bis 2000 angestiegene Interesse am Informatikstudium deutlich abgeschwächt.
Auch für den Studienbereich Ingenieurwissenschaften zeichnet sich eine rückläufige Tendenz ab.
Dort hat die Zahl der Studierenden im Wintersemester 2002/03 erstmals seit 1997 wieder abgenommen. So ging die Zahl der Studienanfänger im Bereich „Maschinenbau/Verfahrenstechnik" um 2% auf 26.600 zurück und im Bereich „Elektrotechnik" schrieben sich mit 16.300 Studenten 7% weniger als im Vorjahr ein. Das Bau-Ingenieurwesen hat einen Rückgang um 4% gegenüber dem Vorjahr auf 7.600 Studienanfänger zu verzeichnen.
Wacker: Silicon-Dokumentation für Schulen
Phänomen Farbe 15.03.2003. Was sind Silicone? Welche Eigenschaften haben sie? Wo lassen sie sich überall einsetzen? Diese und andere Fragen zur Siliconchemie beantwortet die didaktische Silicon-Dokumentation DiSiDO. Die CD-ROM wurde von Silicone-Experten der Firma und einer Arbeitsgruppe der Universität Duisburg speziell für den Chemieunterricht entwickelt.
Die CD-ROM enthält zahlreiche Sachinformationen über Herstellung, Struktur und Eigenschaften von Siliconen. 20 Schulversuche geben wertvolle Anregungen, wie sich chemische Abläufe im Klassenzimmer experimentell veranschaulichen lassen. Unter dem Kapitel "Medien" werden außerdem ein Fülle von Materialien angeboten: 43 Arbeitsblätter, 38 Präsentationsfolien, acht Videoclips und zwei interaktive Flash-Animationen leisten sowohl bei der Unterrichtsvorbereitung als auch bei der Anfertigung von Referaten und Facharbeiten wertvolle Dienste. Literaturhinweise, Internet-Links sowie das interaktive Suchspiel "Finden Sie das Silicon" runden das Informationsangebot ab.

Phänomen Farbe 15.3.2002. Der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie
(VCI), Frankfurt am Main, Prof. Dr. Wilhelm
Simson (Bild oben) machte kürzlich anlässlich einer Pressekonferenz
Anmerkungen zum Bildungssystem und dessen Bedeutung für die internationale
Wettbewerbsfähigkeit der Chemiefirmen. Er bemängelte vor allem die massiven
Defizite des naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Schulen, die mangelnde
Studierfähigkeit von Studienanfängern (Mathematik und Sprachen) sowie das
abnehmende Interesse von Jugendlichen an Chemie und anderen Naturwissenschaften.
Die Basis für die Qualifikation der Chemie-Arbeitskräfte, der Facharbeiter,
Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler werde von den Einflüssen des
vorhandenen Bildungssystems genauso bestimmt wie die Qualität des
Wirtschaftsstandortes Deutschland.
Simson forderte bundesweit grundlegende Änderungen bereits in der Schule. Eine fundierte und breite Allgemeinbildung müsse wieder zentrale Bedeutung haben. In der Oberstufe müssten Deutsch, Mathematik, Englisch, zwei naturwissenschaftliche Fächer und Geschichte durchgängig unterrichtet und zu Pflichtfächern für alle Schüler einschließlich schriftlicher und mündlicher Abiturprüfungen werden. Außerdem müssten die Lehrer Schlüsselqualifikationen wie Kreativität und Innovationsbereitschaft, Flexibilität und Mobilität, Ausdauer, Zuverlässigkeit, Belastbarkeit sowie Teamfähigkeit von den Schülern verlangen und auch tatsächlich fördern. Qualität, Lehrmethoden und –inhalte entsprächen häufig nicht mehr den heutigen Anforderungen, das abnehmende Interesse der Schüler am naturwissenschaftlichen Unterricht sei alarmierend.
Deshalb habe der VCI im vergangenen Jahr die „Schulpartnerschaft Chemie“ des Fonds der Chemischen Industrie initiiert. Ziel sei es, die Schüler für die Chemie als Zukunftswissenschaft zu begeistern, allgemeines Verständnis und Akzeptanz für die Chemie als Zukunftswissenschaft zu wecken und Jugendliche über die Berufschancen in der Chemie zu informieren. So hat der VCI im vergangenen Jahr u.a. mit rund 1,2 Millionen Mark an mehr als 370 Schulen den experimentellen Unterricht gefördert, rund 200.000 Mark für Projekte der Chemiedidaktik bewilligt, mit 276.000 Mark 30 Mentoring-Projekte gefördert, Stipendien von insgesamt 210.000 Mark für Lehramtsstudierende vergeben, Schülerwettbewerbe wie die „Chemieolympiade“ mit 81.000 Mark unterstützt und rund 750.000 Mark für Informations- und Unterrichtsmaterialien ausgegeben.
Man sei zuversichtlich das die „Schulpartnerschaft“ wertvolle Impulse geben kann und junge Menschen wieder mehr Spaß an der Chemie und anderen Naturwissenschaften gewinnen werden. Den Nutzen hätten alle: Junge Menschen mit guten Ausbildungs- und Arbeitsplatzchancen, Chemieunternehmen, die gut ausgebildete Facharbeiter, Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler einstellen können, die öffentlichen Forschungs- und Hochschulinstitute mit ausreichendem Nachwuchs und die Allgemeinheit durch Ausbau der Innovationsleistung der Chemie.
Auch die Landesverbände des VCI sind inzwischen aktiv geworden. So hat beispielsweise der VCI-Nordost mit drei Berliner Universitäten und der Universität Potsdam eine Dialogveranstaltung zum Leitthema „Nachwuchsförderung und –sicherung in der Chemie“ durchgeführt. Der Berliner Schulsenator Klaus Böger sagte anschließend, es sei geplant, einige der Unterrichtskürzungen im naturwissenschaftlichen Bereich zurückzunehmen. Die Hochschulen äußerten, sie bemühten sich ihrerseits intensiv um Abiturienten für ein naturwissenschaftliches Studium. Der Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der gastgebenden Freien Universität sei dabei besonders erfolgreich gewesen, die Sudienanfängerzahl in Chemie und Biochemie stieg von 40 im Sommersemester 1999 auf 150 im laufenden Wintersemester.
Der VCI Nordost hatte kürzlich einen Workshop in Halle veranstaltet. Dort diskutierten engagierte Teilnehmer Konzepte, wie bereits bei Schülern mehr Interesse für naturwissenschaftlich-technische und ökonomische Zusammenhänge geweckt werden kann. Auch die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) war mit von der Partie. Die Nachwuchsfrage ist wegen des „Geburtenknicks“ und der Erwartung, dass viele Beschäftigte in der Industrie in wenigen Jahren aus Altersgründen ausscheiden werden, besonders prekär. Deshalb sei es wichtig, bereits jetzt bei den Schülern das Interesse an den Naturwissenschaften und speziell am Fach Chemie zu fördern. Dass inzwischen fast 26% der Schüler in Sachsen-Anhalt Chemie als Leistungskurs wählen (Bundesdurchschnitt 9,2%) war für viele Teilnehmer neu.
Neben dem VCI-Landesverband Nord, dort sprach vor 100 Lehrerinnen und Lehrer aus norddeutschen Gymnasien, Realschulen und berufsbildenden Schulen u.a. Lutz Hübner, der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Schülke & Mayr GmbH, Norderstedt, der in seiner Begrüßung an die Politik, appellierte, durch die Erhöhung der Stundenzahl den Stellenwert der Chemie deutlich aufzuwerten, wurde auch über eine Initiative des Landesverbandes Hessen der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) in Kooperation mit den VCI-Landesverbänden Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg berichtet. Vertreter von Ministerien, Schulen, Fachschulen und gewerblichen Ausbildern beteiligten sich rege an den Diskussionen.
Das Image der Lackindustrie und die
Ausbildungskampagne des VdL
Michael Bross bei der Mitgliederversammlung des VdL am 7.
Mai 2002 in Freiburg
Diesen Satz sollten wir uns immer vor Augen halten, wenn wir über das Image der Lackindustrie sprechen.
Die Definition von Realität wird dadurch erschwert, dass jeder einzelne Mensch heutzutage mit mehr Informationsbrocken bombardiert wird, als sein Wahrnehmungsapparat und sein Gehirn verarbeiten können. Wir alle selektieren ständig nach „wichtig" und „unwichtig", wir alle filtern das, was wir wahrnehmen, und damit beschränken wir auch stets unsere wahrgenommene Realität.
In dieser Situation werden Images von Personen, Institutionen und Produkten entscheidend wichtig. Da wir wegen der ständigen Reizüberflutung gar nicht alle Informationen aufnehmen und bewältigen können, greifen wir auf frühere Erfahrungen, Gehörtes, Gelesenes oder schlicht Vorurteile zurück.
Maßgeblichen Anteil an der Ausbildung von Images haben Zeitungen, Radio und Fernsehen, neben den persönlichen Berichten anderer Menschen. Die Massenmedien bestimmen somit einen Großteil der Wahrnehmung des Bürgers, und sie schaffen auf diese Art und Weise bis zu einem gewissen Grade eine Realität.
Den Vorstellungen, Vorurteilen und Images der Bevölkerung kann man mit den Methoden der Meinungsforschung auf die Spur kommen.
Einige Ergebnisse jüngerer Meinungsforschungsarbeiten sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden, da sie für wesentliche Anhaltspunkte in Sachen Image der Lackindustrie und ihrer Produkte geben.
In einem Vergleich über zwei Jahre zeigt sich, dass das
Image der Lackindustrie und ihrer Produkte nie zuvor so gut war wie im September
2001. In einer repräsentativen Umfrage wurde ermittelt, dass 72 % der
Bevölkerung eine positive Meinung über Lacke und Farben haben. 62 % äußerten
eine positive Meinung über die Industrie.
Dieses Ergebnis ist umso erfreulicher, als noch im Januar
2001 das Image der Industrie und ihrer Produkte den Tiefpunkt erreicht hatte.
Als Folge der Verunsicherung der Bevölkerung durch die BSE-Krise litten auch
Branchen und Produkte, die mit Lebensmitteln überhaupt nichts zu hatten, unter
einem deutlichen Stimmungstief – z. B. die
Lackindustrie! Im Januar 2001 erhielt
die Branche unterdurchschnittliche Noten, im September dagegen schon wieder gute
Beurteilungen. Ganz wichtig für den Erfolg einer Branche ist
die Einschätzung, ob die von ihr hergestellten und vertriebenen Produkte
sinnvoll und nützlich sind. Lacke und Farben leisten einen deutlichen Beitrag
zur Lebensqualität unserer modernen Gesellschaft. Das wird von den Menschen in
Deutschland auch anerkannt.
Leider hat die seit Jahren andauernde
Risikodiskussion hierzulande auch ihre Spuren in der Beurteilung der Bevölkerung
hinterlassen. Die modernen Panikmacher haben es geschafft, latente
Fortschrittsängste der
Menschen
durch aufgebauschte Berichte über das neueste „Gift der Woche" in Vorurteile
gegenüber Chemie umzuwandeln. Darunter leidet auch das Image von Lacken und
Farben.
Wenn man sich mit der Vorstellungswelt der Bevölkerung und ihrer Meinung über Lacke und Farben befasst, muss man sich auch darüber klar werden, welche Produkte unserer Industrie maßgeblich wahrgenommen werden. Für die Insider der Industrie ist es immer wieder schmerzlich zu sehen, dass viele interessante und wichtige Anwendungsbereiche von Lacken und Farben in der Öffentlichkeit überhaupt nicht zur Kenntnis genommen werden. Im Großen und Ganzen wird das Image der Lacke und Farben bestimmt durch die beiden Produktbereiche Autolacke und Bautenanstrichmittel.
Diese Dominanz der Bautenlacke und Bautenfarben in der
Wahrnehmung der Bevölkerung muss auch berücksichtigen, wer nach maßgeblichen
Produkt- oder Kaufkriterien fragt. Unsere Umfrage vom September 2001 hat
ergeben, dass eindeutig die Produktqualität in allen ihren Facetten für die
Konsumenten an erster Stelle steht. Es folgen Gesundheits- und
Umweltverträglichkeit, der Preis und die Verarbeitungseigenschaften. Was in
dieser Aufzählung fehlt, ist der „Blaue Engel". Mit nur 3 % der Nennungen
landete der Umweltengel weit abgeschlagen auf einem hinteren Rang.
Zu Anfang dieses Beitrages wurde gezeigt, dass das Image
von Lacken und Farben im September 2001 im Großen und Ganzen positiv war.
Allerdings gab es auch vor einem halben Jahr Kritiker, die im Rahmen der
Untersuchung ebenfalls befragt wurden. Kritisiert wurden in erster Linie die in
Lacken und Farben enthaltenen Chemikalien und vermeintlichen Gifte sowie der
Geruch.
Der Geruch der Produkte ist ganz sicherlich eine
Erfahrung, die die Befragten ganz unmittelbar gemacht haben. Bei der Aussage,
dass Lacke und Farben Chemikalien und Gifte enthielten, zeigt sich deutlich der
Einfluss der veröffentlichten Meinung. Die wenigsten Menschen in Deutschland
dürften nämlich aus eigener selbstgemachter Erfahrung Gifte in Lacken und Farben
nachgewiesen haben. Letztendlich wird hier in Form eines Vorurteils das
wiedergegeben, was von anderen vorgebetet wird.
Wenn man an dieser Stelle ein kurzes Fazit der Untersuchungen ziehen möchte, so lässt sich feststellen, dass das Image der Lackindustrie und ihrer Produkte in weiten Teilen der Bevölkerung gegenwärtig besser ist als in den letzten Jahren. Insgesamt gesehen gibt es eine leicht positive, aber nicht überragende Beurteilung für die Branche und ihre Produkte. Lacke und Farben werden als nützliche und notwendige Bestandteile des modernen Lebens akzeptiert.
Zum Thema Akzeptanz: Bei der breiten Bevölkerung, bei sogenannten Entscheidern und bei jüngeren Menschen wurde in einer Untersuchung des Verbandes der Chemischen Industrie danach gefragt, ob die chemische Industrie als Ganzes eine Branche sei, die der Befragte akzeptiere, der er vertrauen könne und in der er arbeiten würde. Die Akzeptanz der Chemie ist sehr hoch, das Vertrauen schon deutlich geringer, noch niedriger fällt aber die Tendenz aus, in dieser Industrie arbeiten zu wollen. Wir sollten an dieser Stelle als Lackindustrie nicht darauf bestehen, dass wir deutlich anders beurteilt werden. In einer älteren Untersuchung wurde deutlich, dass die Bevölkerung bei dem Stichwort Chemie neben Arzneimitteln in erster Linie an Lacke und Farben denkt.
Diese Diskrepanz zwischen der Akzeptanz einer Branche und dem Wunsch, in einem Unternehmen dieser Industrie zu arbeiten, führt zu einem der Kernprobleme für die Zukunft der Lackindustrie: Die Gewinnung von ausreichend qualifiziertem Nachwuchs für die naturwissenschaftlichen Berufe in unserer Branche.
Zahlreiche Unternehmen der deutschen Lackindustrie klagen schon seit Jahren darüber, dass es zunehmend schwierig wird, die vorhandenen Ausbildungsplätze z.B. für Lacklaboranten oder Chemikanten mit ausreichend qualifizierten Jugendlichen zu besetzen.
Deshalb hat der Verband der deutschen Lackindustrie (VdL) im vergangenen Jahr beschlossen, eine breit angelegte Initiative zu starten, um junge Menschen auf die zukunftsträchtigen Berufe in der Lackindustrie aufmerksam zu machen.
Es dürfte allen einleuchten, dass das Image unserer Industrie sich ganz maßgeblich auf die Bereitschaft junger Leute auswirkt, in dieser Branche zu arbeiten. Auch hier gilt: die Wahrnehmung – oder auch Nichtwahrnehmung – bestimmt die Realität. Wenn Schulabgänger die Lackindustrie überhaupt nicht kennen, können sie sich auch nicht für einen Beruf in dieser Branche entscheiden.
Um bei diesem Problem Abhilfe zu schaffen, hat der VdL eine breit angelegte Initiative gestartet, die es den Mitgliedsfirmen erleichtern soll, kompetenten Nachwuchs zu finden.
Für die Durchführung der Ausbildungskampagne hat der Verband einen detaillierten Plan entwickelt. Dabei bewegen wir uns grundsätzlich auf zwei unterschiedlichen Ebenen: Einige zentrale Elemente der Kampagne werden in einem bundesweiten Maßstab abgearbeitet. Andere Bausteine des Konzeptes müssen lokal vor Ort von den Unternehmen durchgeführt werden.
Kernstück der Ausbildungskampagne des VdL ist eine Broschüre, die sich gezielt an junge Menschen wendet, die einen Ausbildungsplatz suchen. Diese Broschüre ist völlig neu erstellt worden, wendet sich in Aufmachung, Bildern und Sprache gezielt an Jugendliche. Der Lackverband wird diese Broschüre allen Arbeitsämtern in Deutschland, den Berufsinformationszentren und den Industrie- und Handelskammern zur Verfügung stellen. Über diese Kanäle erreicht man erfahrungsgemäß sehr viele junge Menschen.
Jugendliche gehören zu den intensiven Nutzern des Internets. Deshalb wird der Lackverband eine eigene Homepage für die Berufe Lacklaborant, Chemikant und Chemiebetriebswerker einrichten. Auf dieser Seite finden die Jugendlichen dieselben Informationen wie in der Broschüre. Darüber hinaus wird ein Verzeichnis der Mitgliedsfirmen – natürlich mit den Internetadressen der Firmen – veröffentlicht. Junge Leute haben so die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, ob sich in ihrer Nähe eine Ausbildungsstätte befindet.
Ein dritter Baustein der bundesweiten Kampagne wird die Pressearbeit sein. Hier werden zum einen Jugendzeitschriften und Berufswahlmagazine durch entsprechende Presseerklärungen auf die Ausbildungsberufe in der Lackindustrie hinweisen. Zum anderen werden auch allgemeine Publikumszeitschriften – z.B. HörZu und ähnliche Publikationen – mit hoher Reichweite genutzt, um auch die Eltern auf die zukunftsträchtigen Berufsaussichten in der Lackindustrie aufmerksam zu machen. Eltern spielen nämlich eine nicht unbedeutende Rolle bei der Wahl eines Ausbildungsplatzes.
Neben diesen bundesweit durchgeführten Maßnahmen hängt der Erfolg der Ausbildungskampagne aber auch vom lokalen Engagement jeder einzelnen Firma ab.
Der Verband kann dafür Sorge tragen, dass die Industrie als Anbieter interessanter Ausbildungsplätze bemerkt wird. Die konkrete Anwerbung von Lehrstellenbewerbern muss aber vor Ort erfolgen. Um die Unternehmen bei dieser Aufgabe zu unterstützen, hat der VdL ein Handbuch für die Nachwuchswerbung erstellt. Dieses Handbuch soll dabei unterstützen, geeignete Maßnahmen einzuleiten, um Auszubildende zu gewinnen.
Das Handbuch enthält zum Beispiel einen kurzen Videofilm, der von der Bundesanstalt für Arbeit erstellt wurde, um über den Beruf des Lacklaboranten zu informieren. Weiterhin werden im Handbuch Checklisten für Veranstaltungen, Mustervorlagen für Presseinformationen oder Kleinanzeigen, eine umfangreiche Datenbank mit wichtigen Adressen und Folienvorlagen für Vorträge geliefert. Alle Unterlagen werden auf einer CD zur Verfügung gestellt, damit die Unternehmen selbst notwendige Änderungen vornehmen können. Mit diesem Handbuch stellt der Lackverband einen Instrumentenkasten zur Verfügung, den die Mitgliedsunternehmen gezielt nutzen können, um junge Leute für eine Ausbildung in ihrem Unternehmen zu begeistern.
Die zentrale Pressearbeit wird in den nächsten Wochen beginnen und im Herbst einen Schwerpunkt bilden, wenn junge Leute für das Ausbildungsjahr 2003/2004 Informationen über Ausbildungsplätze suchen. Auch im Frühjahr des nächsten Jahres werden wir die Öffentlichkeit nochmals über unsere Branche und ihre attraktiven Ausbildungsplätze unterrichten.
Mit dieser Vorgehensweise – davon ist der VdL fest
überzeugt – sollte es gelingen, in der Wahrnehmung
junger Menschen eine bessere Image-Position zu erreichen: Die Lackindustrie als
interessante Branche mit beruflicher Zukunft!
VAA: Es fehlt an wissenschaftlichem Nachwuchs
Phänomen Farbe, 15.12.2001. In einer seiner jüngsten Ausgaben seiner
Nachrichten" berichtet der Verband Angestellter Akademiker (VAA), Köln, der
Mangel an Studierenden sei inzwischen so akut, dass die Lehre ernsthaft gefährdet werde.
So habe die Universität Hamburg z.Zt. etwa 1.000 Studierende im Studiengang Chemie. Zum
Wintersemester 2000/2001 habe man dort 60 Studienanfänger (zuvor 120) gezählt und im
Sommersemester 2001 waren es sogar nur 30 Menschen, die ein Studium der Chemie begonnen
haben. Bedacht werden muss dazu, dass im Allgemeinen 30% der Anfänger ihr Chemiestudium
wieder abbrechen. Als einen der Gründe dafür nannte Prof. Dr. Klaus Nagorny,
Hamburg, dass den Abiturienten die Grundvoraussetzungen für das Chemiestudium fehlten,
vorrangig im Bereich der Mathematik und Physik.
Derzeit entscheiden sich nur die wenigsten Schulabgänger für ein Chemiestudium. Gründe
dafür, dass sich kaum Abiturienten für dieses naturwissenschaftliche Fach interessieren,
liegen nach Nagorny einerseits im restriktiven Einstellungsverhalten der Industrie in den
letzten Jahren und andererseits in der Schwierigkeit an Gymnasien überhaupt
naturwissenschaftliche Leistungskurse anbieten zu können. Für einen Chemie-Leistungskurs
in der Oberstufe fehlten meistens einfach die Interessenten, andererseits ist die
Teilnahme an einem Chemie-Leistungskurs nicht Voraussetzung für ein Chemiestudium.
Zudem hätten die Universitäten die Lehrerausbildung gerade in den
naturwissenschaftlichen Fächern sträflich vernachlässigt und die Motivation der
heutigen Lehrerschaft, sich grundsätzlich für die Naturwissenschaften zu engagieren, sei
eher begrenzt. Insgesamt wäre nun die Situation für die Chemiefakultäten höchst
dramatisch. Etats würden gekürzt, Stellen eingespart, und die Drittmittel-Forschung
bräche bereits partiell weg, da nicht mehr genügend Doktoranden vorhanden seien,
beklagte Nagorny.
Eine Möglichkeit diese Situation mittelfristig zu entschärfen, sieht er in der
Übernahme von Patenschaften" von Universitätsprofessoren für Gymnasien.
Über diesen Weg könnten Informationen über das Chemiestudium und die anschließenden
Berufschancen vermittelt werden und es könnte, so Nagorny, den Gymnasiasten die Botschaft
Ihr werdet in der Chemie gebraucht und wir Professoren helfen Euch während des
Studiums" näher gebracht werden.
In Hamburg werden derzeit noch jährlich etwa 100 Promotionen abgewickelt. Neben dem
Diplom wird auch bereits der Bachelor-Abschluss mit den Schwerpunkten Analytik,
Life-science und Materialwissenschaften angeboten. Der Master-Abschluss ist in
Vorbereitung. Grundsätzlich befürwortet Nagorny diese neuen Studienabschlüsse, sieht
aber auf Grund der rückläufigen Studentenzahlen Schwierigkeiten, die Vorlesungen in den
neuen Studiengängen durchzuführen. Denn bereits jetzt fallen Wahlpflichtveranstaltungen
im Hauptstudium auf Grund der minimalen Hörerzahlen schon mal aus. Manchmal sind es nur
zwei oder drei Studierende, die sich zu einer Vorlesung einfinden.
FCI: Nachwuchsförderung groß geschrieben
Phänomen Farbe, 15.12.2001. Die große Bedeutung der Förderung des
wissenschaftlichen Nachwuchses für die Chemie betonte Dr. Stefan Marcinowski,
Vorsitzender des Fonds der Chemischen Industrie (FCI), in seinem traditionellen
Rechenschaftsbericht vor der Mitgliederversammlung. Dafür nannte er zwei Gründe:
Seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre gehen die Studienanfängerzahlen im Fach Chemie
stark zurück. Nach Schätzungen der Gesellschaft deutscher Chemiker wird die Talsohle bei
den promovierten Chemikern im Jahr 2003 erreicht. Dann wird mit nur noch 1.000 Absolventen
pro Jahr gerechnet verglichen mit jeweils über 2.000 in den vergangenen Jahren. Es
besteht die Gefahr, dass diese Entwicklung zu einem ernsten Engpass bei der Einstellung
junger Nachwuchswissenschaftler führt. Die Akzeptanz naturwissenschaftlicher
Unterrichtsfächer ist in den vergangenen Jahren massiv gesunken.
Deshalb werden Schulbildung und Bildungspolitik zum ,Megathema nicht nur für
uns, sondern für die gesamte Industrie"" mahnte der Fonds-Vorsitzende. Er
machte deutlich, dass breites Verständnis und gesteigertes Interesse für
naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge nicht früh genug gefördert werden
können. Doch leider hätten die Schulen diese Aufgabe allzu häufig
vernachlässigt". Darum habe der Fonds zwei Projekte für den Schulalltag initiiert:
die gemeinsame Bildungsinitiative Chemie" von Bundesarbeitgeberverband Chemie,
IG Chemie, Bergbau, Energie und VCI sowie die Schulpartnerschaft Chemie" des
Fonds.
Die Bildungsinitiative Chemie" richtet sich an Bildungspolitiker und Experten
aus der Schulverwaltung, Lehrer, Hochschullehrer sowie an Vertreter aus der Chemie. Sie
sollen in Workshops gemeinsam neue Ansätze für einen praxisnahen und lebendigen
Chemieunterricht entwickeln.
Schulpartnerschaft: Mit der Schulpartnerschaft Chemie" will der Fonds
den Chemieunterricht an Schulen finanziell fördern. Dafür stehen jährlich rund 2,4 Mio.
zur Verfügung. Das umfangreiche Maßnahmenpaket sieht eine Reihe von ineinander
greifenden Maßnahmen zur Förderung des Schulunterrichtes, zur Verbesserung der
Lehrerausbildung und für Partnerschaften zwischen Hochschulen, Industrie und Schulen vor.
Wir wollen Verständnis und Akzeptanz für die Chemie als Zukunftswissenschaft und
technologie erreichen und Begeisterung für dieses spannende und abwechslungsreiche
Fach wecken." Nur wenn dies gelänge, so Marcinowski, würden sich wieder mehr
Schüler für einen späteren Arbeitsplatz in der chemischen Industrie entscheiden
unabhängig davon, ob im technischen Bereich oder auf wissenschaftlichem Gebiet.
Im Rechenschaftsbericht erläuterte der Fonds-Vorsitzende auch die Neuorientierung der
Fördermittel für die Spitzenforschung. Wir wollen die Fonds-Förderung auf
Spitzenwissenschaftler konzentrieren", sagte Marcinowski. Die Folge: Von 3.500
Wissenschaftlern werden nur noch 1.400 gefördert; das ist etwa ein Drittel weniger als in
den Jahren zuvor.
Phänomen Farbe 15.05.2002. Für den weiteren Weg in die wissensorientierte Dienstleistungsgesellschaft sind die Deutschen relativ schlecht gerüstet – denn dazu braucht es mehr Akademiker, wie andere Länder zeigen: Im Jahr 1998 verfügten in der Bundesrepublik nur 14% der 25- bis 64-Jährigen über einen Hochschulabschluss – in den USA waren es dagegen 27%. Zugleich arbeiteten dort bereits 74% aller Beschäftigten im Servicesektor – mehr als in allen anderen Industriestaaten. Hierzulande lag der Anteil der Dienstleistungsmitarbeiter mit knapp 63% gerade mal im OECD-Mittel. Besser stehen die Deutschen in Sachen Bildung allerdings da, wenn die übrigen Schul- und Berufsabschlüsse berücksichtigt werden – immerhin hatten 1998 gut acht von zehn Bürgern im erwerbsfähigen Alter die Hoch- oder Fachhochschulreife oder eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Tasche. Über alle Industrieländer hinweg waren es nur sechs von zehn.
Um dem Akademiker-Mangel abzuhelfen, muss Deutschland nicht zuletzt mehr in die Bildung investieren. Mit 5,5% des Bruttoinlandsprodukts lagen die staatlichen Aufwendungen für das Bildungswesen 1998 lediglich im internationalen Schnitt – die USA gaben hingegen 6,4%, Dänemark sogar 7,2% des BIP für die Bildung aus. Für die Finanzierung des Hochschulsystems machte die Bundesrepublik nur 1% des BIP locker – der Größe des Dienstleistungssektors angemessen gewesen wäre ein Anteil von 1,28%. Dazu hätten Bund und Länder allerdings 5,4 Mrd. € zusätzlich in die Hochschulen investieren müssen.
Eindeutig ist, dass hierzulande zu wenig junge Menschen ein Studium beginnen. Dieser Befund gilt auch dann, wenn man die unterschiedlichen Strukturen des Bildungswesens berücksichtigt. So zählen beispielsweise die amerikanischen Colleges zum Hochschulbereich, obwohl die ersten Studienjahre oft nur den Unterrichtsstoff abdecken, der in Deutschland in der gymnasialen Oberstufe vermittelt wird. Außerdem gilt in vielen Ländern als Hochschulausbildung, was in Deutschland als berufliche Bildung oder Fortbildung eingestuft wird. Qualifikationen, die in der Bundesrepublik an Techniker- oder Fachschulen geboten werden, führen anderswo bereits zu einem ersten Hochschulabschluss.
Der deutsche Nachholbedarf bei der Akademikerausbildung zeigt, dass das deutsche Bildungssystem seine Schwerpunkte immer noch in einer eher industriebezogenen Ausbildung und damit auf den mittleren Qualifikationsebenen hat. Da sich aber der Strukturwandel in Richtung Dienstleistungswirtschaft fortsetzen wird, muss Deutschland die bereits bestehende Lücke zu anderen Staaten schließen und vermehrt Akademiker ausbilden.
Aus heutiger Sicht ist aber wahrscheinlicher, dass die Bundesrepublik gerade bei der Ausbildung von Hochqualifizierten weiter zurückfallen wird. Hierfür spricht das zusätzliche Handicap der, verglichen mit anderen Ländern, zu langen Studienzeiten. Möglicherweise schaffen hier neue, nach angloamerikanischem Vorbild zweigeteilte Studiengänge Abhilfe. Die kurzen Bachelor-Studiengänge haben den Vorteil, die Absolventen relativ rasch ans Berufsleben heranzuführen. Für das vertiefende Master-Studium würden sich nur wenige, wissenschaftlich Qualifizierte entscheiden. Allerdings müsste der Arbeitsmarkt den Bachelor als akademischen Erstabschluss akzeptieren. Dies erscheint vorläufig noch fraglich (List, 2000).
Erfahrungen im Ausland zeigen, dass kurze und überschaubare Studiengänge die Studierneigung erhöhen. Allerdings ist es mit mehr Studienanfängern allein nicht getan. Denn solange die Studierfähigkeit der Abiturienten den qualitativen Anforderungen der Hochschullehrer nicht genügt (Konegen-Grenier, 2002), würden sich damit lediglich die Abbrecherquoten erhöhen. Diese sind im internationalen Vergleich mit 9%im günstigsten Fall (Architektur/Bauingenieurwesen, Elektrotechnik) und 35% (Sozialwissenschaften) im schlechtesten Fall ohnehin hoch (BMBF, 2001b).
Die empirischen Befunde des internationalen Vergleichs von Bildungsqualitäten bescheinigen der Bundesrepublik eine breite Basis an mittleren Qualifikationen und Defizite bei der tertiären Ausbildung. Dieses Qualifikationsbild passt eher zu einem Industriestandort als zu einer Dienstleistungswirtschaft, in der wissensintensive Dienstleistungen maßgeblich zur Wertschöpfung beitragen. Hieraus ergeben sich für Deutschland mehrere bildungspolitische Postulate.
Zunächst erfordern die empirischen Befunde, die Zahl der Studienanfänger zu erhöhen. Denn trotz des in der Öffentlichkeit präsenten Bildes überfüllter Hörsäle und ungünstiger Betreuungsrelationen ergreifen in Deutschland erheblich weniger junge Menschen ein Hochschulstudium als in anderen Ländern.
Außerdem müssen die Abbrecherquoten reduziert werden. Dies zielt auf die Qualität der gymnasialen Ausbildung, die internationalen Leistungsvergleichen zufolge nicht mehr geeignet ist, die Hochschulreife zu vermitteln.
Drittens müssen die im internationalen Vergleich zu langen Studienzeiten verkürzt werden. Dass man davon weit entfernt ist, lässt sich am Anstieg des Durchschnittsalters deutscher Hochschulabsolventen von 27 Jahren im Jahr 1980 auf inzwischen 29 Jahren ablesen. Die nach angloamerikanischem Vorbild zweigeteilten Studiengänge könnten in diesem Zusammenhang hilfreich sein. Ein erster Abschluss (Bachelor) wäre bereits nach drei bis vier Jahren möglich. Für das anschließend vertiefende Masterstudium von ein bis zwei Jahren wären dann nur noch wenige qualifiziert. Ob sich dies in der Praxis durchsetzen wird, hängt nicht zuletzt von der Einstellung der Unternehmen gegenüber diesen Qualifikationen ab.
Die Hochschulen stehen damit zunehmend vor der Herausforderung, die theoretischen und praktischen Erfordernisse des Arbeitsmarktes erfolgreich in die akademische Ausbildung zu integrieren. Dies verlangt Studieninhalte mit größerer Praxisorientierung und die Vermittlung zusätzlicher Fähigkeiten, wie beispielsweise Teamarbeit oder Präsentationstechniken. Jedenfalls sollten hierzulande bei der Hochschulausbildung eindeutige Defizite beseitigt werden, bevor internationale Evaluationen, wie auf der Schülerebene TIMSS und PISA, öffentlichen Druck machen.
Solche Reformen haben jedoch ihren Preis: Spitzenausbildung verlangt auch Spitzenfinanzierung. Der Vergleich mit anderen Ländern dokumentiert eindeutig, dass die Bundesrepublik für die Hochschulausbildung zu wenig aufwendet. Seit Jahren stagniert der finanzielle Aufwand für Hochschule bei rund 1 Prozent des BIP. Dies reicht weder jetzt noch in Zukunft aus, um mit höher entwickelten Dienstleistungsgesellschaften Schritt zu halten. Allerdings hängt die Qualität der Hochschulausbildung nicht nur von den verfügbaren Finanzmitteln, sondern auch von der Effizienz des Bildungssystems ab.
Juliane List
TLG Sachsen: Firmenspezifische Ausbildung als Standortvorteil
Phänomen Farbe 15.5.2002. Im Industrie- und Gewerbegebiet Böhlen-Lippendorf, bietet die TLG Sachsen Firmen, die auf der Suche nach einem neuen Standort sind, vielfältige Optionen an. Von dem Areal mit einer Gesamtgröße von rund 1.900.000 m2 befinden sich momentan noch 110.000 m2 im Eigentum der TLG. Diese teilen sich auf eine Vielzahl frei bebaubarer Flächen und bereits vorhandener Gebäude auf. Neben ehemaligen Werkstätten, einem Sozial- sowie einem Verwaltungs- und Bürogebäude stehen auch Laborräume und Parkplätze zur Verfügung. Investoren bietet die TLG-Sachsen in Böhlen-Lippendorf Grundstücke in Größen von 1.000 bis 25.000 m2 an. „Auf Grund der langen Tradition des Standortes als Braunkohle- und Chemiehochburg und im Hinblick auf die bereits ansässigen Unternehmen wie VEAG, BSL Dow Chemical, Lafarge Gips und Air Liquide ist Böhlen-Lippendorf vor allem für Firmenansiedlung aus den Branchen Energie und Chemie geeignet. Ideale Bedingungen bietet das Umfeld zudem für die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie für Zuliefer- und Servicebetriebe", erläutert Klaus-Dieter Schwensen, TLG-Niederlassungsleiter Sachsen.
Neben guten infrastrukturellen Voraussetzungen: 20 km von Leipzig, 35 km von den Autobahnen A9 und A14 sowie, nach deren Fertigstellung, 5 km von der A 38 entfernt, ist in Böhlen-Lippendorf zugleich für eine betriebsnahe Aus- und Weiterbildung gesorgt. Dafür verantwortlich zeichnet unter anderem das „Aus- und Weiterbildungszentrum Böhlen" (AWZ). Der traditionsreiche Bildungsträger engagiert sich in der beruflichen Erstausbildung wie im gewerblichen, naturwissenschaftlichen und kaufmännischen Bereich. Speziell für die chemische Industrie werden Chemielaboranten, Chemikanten sowie Ver- und Entsorger ausgebildet. Als Träger eines Ausbildungsverbundes kooperiert das AWZ bereits mit über 30 Firmen der Region, darunter auch das am Industriestandort Böhlen-Lippendorf ansässige Unternehmen Air Liquide. Alles was die ausbildenden Betriebe in technischer, organisatorischer und personeller Hinsicht nicht gewährleisten können, übernimmt das AWZ. Dabei wird für jeden Lehrling in Abstimmung mit den spezifischen Anforderungen der ausbildenden Firma ein individueller Lehrplan mit exakter sachlicher und zeitlicher Gliederung entwickelt. In den meisten Fällen fungiert das AWZ im ersten Lehrjahr vollständig als Ausbilder. Dann beginnt die spezifische Ausbildung in den Firmen. Die AWZ GmbH bereitet intensiv auf Zwischen- und Abschlussprüfungen vor und ist gleichzeitig Prüfstätte der IHK Leipzig.
Seit dem vergangenen Jahr läuft ein Modellprojekt für Berufe der Hochleistungstechnologie speziell in der Fachrichtung Chemielaborant, welches für den Lehrling zwei Wege offen hält. Entweder erlangt er in einer dreieinhalbjährigen Ausbildung Zusatzqualifikationen, die im eigentlichen Lehrplan nicht enthalten sind wie PC-Kenntnisse, Fachenglisch oder kaufmännische Grundlagen oder aber die Ausbildung wird mit dem Ziel intensiviert, die Lehrzeit auf zweieinhalb Jahre zu verkürzen. „Das Angebot einer betriebsspezifischen Ausbildung kann ein zusätzlicher Anreiz für Firmen sein, sich für den Standort Böhlen-Lippendorf zu entscheiden. Viele Unternehmen würden gern selbst ausbilden, sind aus Mangel an den nötigen Ressourcen dazu allein aber nicht imstande. So ergeben sich hier für Betriebe völlig neue Möglichkeiten, die es vereinfachen, speziell für den eigenen Bedarf oder wenn möglich sogar über diesen hinaus auszubilden. In einer Zeit, wo es an speziell ausgebildeten Fachkräften mangelt, kann das von entscheidender Bedeutung sein", sagt Klaus-Dieter Schwensen von der TLG.
Vom 15.6.2002
Kommentar
Phänomen Farbe 15.06.2002. Was da 1966 zum ersten Mal über die Bühne ging, hat inzwischen die kühnsten Erwartungen des Initiators Henry Nannen übertroffen. Medienstar war in diesem Jahr ein sprachgesteuerter Klo-Deckel, der im NRW-Landeswettbewerb „Jugend forscht" Furore machte. Aber auch bei weniger spaßigen Beiträgen wurde der Erfindungsreichtum der jungen Tüfftler sichtbar. Die Unternehmen haben ein waches Auge auf den Nachwuchs und die Innovationen. So haben beispielsweise Steffen Meyer und Mark Krüger vom Helmholz-Gymnasium in Hilden eine Methode weiterentwickelt, mit deren Hilfe genau ermittelt werden kann, wieviel Arsen im Wasser ist. Dieser Beitrag kam immerhin auf Platz 2 des Landeswettbewerbs. Und zwar in der Technik-Sparte. Die Innovation wurde inzwischen von der Behr Labortechnik, Düsseldorf, aufgegriffen, die das Prinzip zur Marktreife führen will. Den Platz 2 im Bereich Chemie holte sich Thomas Brömme, Chemielaborant-Azubi bei der Bayer AG, Leverkusen, und auch er darf ziemlich sicher sein, dass er wie alle Teilnehmer an diesem Wettbewerb sehr gute Chancen haben wird, wenn es um seine weitere Karriere geht.
Angesichts solcher Beispiele gerät der Wettbewerb unversehens ins Blickfeld möglicher Ausbildungs-Förderungsmaßnahmen auch in der Lackbranche. Man sollte fragen, ob es neben den imageträchtigen Preisen für Lackingenieure und den gewiss genau so Maßnahmen zur Ausbildungsförderung, die im Allgemeinen geplant sind, nicht auch dort Ansätze geben könnte, wo es bereits hoch motivierte junge Leute gibt. Innovation lebt zweifellos nicht alleine aus der eigenen Inspiration, die sich aus dem aktuellen Berufsumfeld, aus der Schulsituation usw. ergibt, sie kann auch – und dafür gibt es zahlreiche Beispiele in der Geschichte dieses Wettbewerbs, von außen stimuliert und initiiert werden. Lackhersteller könnten lackbezogene Themen in diesem Wettbewerb, der Jahr für Jahr stattfindet, einbringen. Für die mittelständische Industrie bietet sich ein solches Engagement im lokalen Umfeld geradezu an.
Der erste Wettbewerb „Jugend forscht" ging bereits 1966 über die Bühne. Stern-Chef Nannen hatte unter dem Motto „Wir suchen Forscher von morgen" dazu aufgerufen. Das Vorbild kam aus den USA. Dort hatten Science Fairs bereits Traditionen: Junge Menschen stellten ihre Forschungsprojekte und Erfindungen einer Jury und der Öffentlichkeit vor. Eine Bewertung nach Geschlecht und Gruppenzugehörigkeit wurde bereits 1967 zugunsten der Einführung verschiedener Fachgebiete aufgegeben. Zunächst standen Biologie, Chemie, Mathematik und Physik zur Wahl. 1968 kam Technik hinzu, ein Jahr später Geo- und Raumwissenschaften und 1975 Arbeitswelt.
FHTE: Zukünftige Lackingenieure auf Schnupperkurs
Phänomen Farbe 8.5.2002. Der Mangel an existierenden und künftigen Lackingenieuren ist bekannt. Um mehr Studenten für den Studiengang Chemieingenieurwesen/Farbe-Lack-Umwelt zu werben, fand am 3. 5. 2002 der erste Experimentiernachmittag für interessierte Schülerinnen und Schüler der umliegenden Gymnasien statt. Diese Veranstaltung wurde gemeinsam mit den Chemie-Verbänden Baden-Württemberg durchgeführt. Auf die 40 Plätze, die zur Verfügung standen, hatten sich mehr als 160 Schüler der Klassen 11-13 angemeldet! Die Auswahl, wer zu der Veranstaltung zugelassen werden sollte, hatten die Chemielehrer der angemeldeten Schulen übernommen. Es waren dann aber doch 47 Schüler und 5 Lehrerinnen, die wir an der Fachhochschule Esslingen - Hochschule für Technik willkommen heißen konnten. Eine Schülergruppe kam sogar aus Aalen.
Nach einer kurzen Begrüssung durch den Dekan, Prof. Dr. Gerolf Marbach und die Vertreterin der Chemie-Verbänden Baden-Württemberg Frau Metz-Bohsem, wurden die weißen Kittel an die Schüler verteilt und der Experimentiernachmittag nahm seinen Lauf. Die Schüler stellten im organischen Praktikum bei Prof. Dr. Elke von Seggern ein "Brennendes Gel" her, extrahierten Chlorophyll aus Blättern und trennten anschließend das Chlorophyll in seine gelben und blaugrünen Bestandteile auf. Im anorganischen Labor bei Prof. Dr. Gerolf Marbach konnten die Schüler die Inhaltsstoffe von Mineralwasser z.B. den Calciumgehalt bestimmen. Nach einer kleinen Stärkung wurden im Hörsaal noch einige spannende Experimente vorgeführt.
Die positive Resonanz am Ende der Veranstaltung lässt den Schluss zu, dass dieser Experimentiertag zu einer festen Veranstaltung im Semester werden sollte. Wenn durch Spaß am Experimentieren die Berührungsängste der Schüler mit der Chemie abgebaut werden und interessierte Schüler gleichzeitig Einblick in den Fachhochschulalltag gewinnen, ist zu hoffen, dass wir viele dieser Schüler in 1-2 Jahren als Studienanfänger im Studiengang Chemieingenieurwesen/Farbe-Lack-Umwelt begrüßen können. Tel. 0711/397-3500 oder chemieinfo@fht-esslingen.de
BIC: Chemieunterricht lebendig gestalten
Phänomen Farbe 15.06.2002. Wie kann mit neuen Ideen der Chemieunterricht interessanter gestaltet werden? Dieser Frage widmet sich eine Workshopveranstaltung, die vor kurzem im Stuttgarter Haus der Wirtschaft stattgefunden hat. Die Veranstaltung wurde im Rahmen der Bildungsinitiative Chemie durchgeführt, einem gemeinsamen Projekt des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie, der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, der Gesellschaft Deutscher Chemiker und des Verbandes der Chemischen Industrie. Etwa 200 Vertreter aus den Bereichen Bildungspolitik, Schule, Wirtschaft und Gewerkschaften waren der Einladung gefolgt. Baden-Württembergs Kultusministerin Dr. Annette Schavan, kritisierte, dass die Naturwissenschaften heute zu kurz kämen. Auch Alexander Dehio, Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württenberg, stellte fest, dass das Interesse an Naturwissenschaften an den Schule zu wünschen übrig ließe. Dies lasse sich sowohl an der mangelnden Belegung entsprechender Leistungskurse an Gymnasien als auch an den schwachen Studienanfängerzahlen in chemischen Studiengängen.
Auf besonderes Interesse stieß der „Markt der Möglichkeiten". An mehr als 20 Ständen demonstrierten Lehrer und Schüler, dass Chemie ein spannendes Unterrichtsfach ist. Drittklässler zeigten zum Beispiel, wie schwarze Filzstifte auf nassen Filzpapier in eine vielfältige Farbenpracht verläuft. An einem anderen Stand konnten sich Besucher über die Essigherstellung oder die Chemie der Fresko-Malerei informieren.
Themen der Workshops waren unter anderem „Wie kann Chemieunterricht anschaulich gestaltet werden?" oder „Wie müssen Unterrichtsprofile aussehen, um die naturwissenschaftliche Bildung verbessern?"
FCI : Lehrerfortbildungszentrum in Frankfurt eröffnet
Phänomen Farbe 15.06.2002. Auch Chemielehrer müssen wieder die Schulbank drücken. Denn nur wenn ihr Fachwissen up-to-date ist, können sie einen modernen und attraktiven Unterricht mit vielen neuen Experimenten anbieten. Und das ist auch dringend nötig. Denn immer weniger Jugendliche interessieren sich für die Chemie.
Abhilfe sollen hier die neuen Lehrerfortbildungszentren speziell für Chemielehrer in Frankfurt, Dortmund und Braunschweig schaffen, die der Fonds der Chemischen Industrie (FCI) und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit rund 70.000 € jährlich unterstützen. Denn „gut ausgebildete und sich stets weiterbildende Lehrkräfte sind der Schlüssel für einen guten, den Schüler motivierenden Unterricht", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von VCI und GDCh anlässlich der Einweihung des ersten deutschen Fortbildungszentrums an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt.
Und dass auch Lehrer dringend Nachhilfeunterricht brauchen, zeigt eine Untersuchung des Instituts für Didaktik der Chemie der Universität Frankfurt. Sie brachte eklatante Mängel bei der Fortbildung von Chemielehren zu Tage: Von den befragten Pädagogen haben 30% in den letzten zehn Jahren keine fachbezogenen Fortbildung besucht. Weitere 40% haben in diesem Zeitraum höchstens an drei Veranstaltungen teilgenommen. Professor Dr. Hans Joachim Bader, Leiter des Fortbildungszentrums in Frankfurt, erklärte: „Als Gründe für die geringe Fortbildungsaktivität nannten die Lehrer vor allem private Probleme bei der Wahrnehmung der angebotenen Termine sowie ein unattraktives Angebot." Aus der Studie ging außerdem hervor, dass Lehrer Schulbücher als bevorzugte Quelle für Anregungen im Unterricht nutzen. Und lediglich 20% der Befragten abonnieren eine berufsbezogene Zeitschrift.
Und genau hier setzt das neue Fortbildungszentrum an. Das Ziel sei es, so FCI und GDCh unisono, mehr Chemielehrer als bisher zu erreichen und für die Weiterbildung zu gewinnen. „Und damit dies gelingt", sagt Bader, „wollen wir den Lehrern beispielsweise neue Wege des Unterrichtens aufzeigen oder neue Experimente zur Verfügung stellen."
Inhaltlicher Schwerpunkt ist in den kommenden Jahren das Thema „Nachhaltigkeit". Darunter fallen Gebiete wie nachwachsende Rohstoffe, erneuerbare Energien oder Recycling. Weitere Themen sind die Lebens- und Alltagswelt der Schüler sowie neue Lehr- und Lernstrategien. Auch das Land Hessen unterstützt die Initiative. Ministerialrat Michael Elfner vom hessischen Kultusministerium lobte bei der Eröffnungsfeier: „Staat, Wirtschaft und Hochschule haben hier ein richtiges Instrument geschaffen, um Verbesserungen in der Lehrerausbildung zu erreichen. Es ist ein beispielhafter Schritt der Zusammenarbeit." chemie report 04.2002
VCI Nordost: Praxisnaher Unterricht
Phänomen Farbe 15.06.2002. Wie wichtig eine praxisbezogene Weiterbildung für Lehrer ist, zeigte sich beim Sächsischen Schülerkongress vom 1. bis 3. März 2002 in Dresden. Im Workshop „Chemie? – Hab ich gewählt!" diskutierten Fachleute mit 18 Schülern der neunten bis zwölften Klasse über den Chemieunterricht, die unterstützenden Angebote der chemischen Industrie sowie über Berufschancen in der Branche.
Die Schüler hatten sich für diesen Workshop entschieden, weil sie selbst nach mehreren Jahren Chemieunterricht die Bedeutung dieser Naturwissenschaft nicht erkennen konnten. Zudem suchten Schüler, die demnächst ein naturwissenschaftliches Fach wählen müssen, im Workshop nach Argumenten, Chemie vielleicht doch weiter zu belegen.
Die Informations- und Qualifikationsangebote der chemischen Industrie fanden großes Interesse. Die Schüler baten sogar um mehr Informationen, um ihre Lehrer auffordern zu können, dieses Angebot gemeinsam wahrzunehmen. In der nachfolgenden Podiumsdiskussion mit dem sächsischen Kultusminister, Dr. Matthias Rößler, forderten die Schüler:
o Bundesweit einheitliche Rahmenpläne für den Unterricht,
o die Weiterbildung für sächsische Lehrer,
o Unterricht durch bessere Zusammenarbeit mit der chemischen Industrie und
o den Beginn des naturwissenschaftlichen Unterrichts bereits in der Grundschule.
Um die Angebote der chemischen Industrie unter den Schülern bekannt zu machen, werden die Vertreter der Branche künftig den Kontakt zum Landesschülerrat nutzen. In weiteren Veranstaltungen, dem zweiten Wochenendseminar für sächsische Chemie- und Biologielehrern, hat der Landesverband im März 2002 in Dresden/Freital 120 interessierten Lehrern Anregungen für einen praxisnahen und spannenden Unterricht vermittelt. Mit Unterstützung des Industrieverbands Agrar, des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel und des Industrieverbands Klebstoffe (IVK) wurden die Workshops „Grüne Gentechnologie", „Moderne Waschmittel" und „Kleben und Klebstoffe" durchgeführt. Sie informierten über moderne Chemieprodukte und Technologie. Im Workshop „Chemobil", einem Projekt der DOW-Foundation und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, konnten die Lehrer selbst Experimente zu neuen Energietechnologien durchführen. Der Experimentalvortrag „Maßgeschneiderte Polymere – spannend auch für die Schule" von Dr. Angela Köhler-Krützfeldt, FU Berlin, bot zudem zahlreiche nachahmenswerte Experimente, die mit wenig Aufwand im Chemieunterricht ausgeführt werden können. Eine Betriebsbesichtigung bei der Wacker-Chemie rundete das Programm ab.
BASF Coatings: Hochschulkontakte werden weiter ausgebaut
Phänomen Farbe 15.07.2002. Über Fahrzeuglacke und den Standort Münster informierten sich im März 42 Executive-MBA-Studenten aus den USA. Die Teilnehmer des Postgraduierten-Programms studieren berufsbegleitend an der University of Illinois at Urbana-Champaign, mit der das Marketing-Center Münster kooperiert. Initiiert hatte den Besuch Professor Heribert Meffert, Leiter des Instituts für Marketing der Universität Münster, zu dem die BASF Coatings – wie auch zu vielen anderen Hochschulinstituten – enge Kontakte hält. Meffert gehört außerdem dem Aufsichtsrat der BASF Coatings AG an. Unser Bild zeigt (v.l.) Merle E. Glies, Coordinator Executive MBA Program, Prof. Jeffrey Krug, University of Illinois at Urbana Champaign Dr. Gerd Kissau, Werkleiter Hiltrup und Leiter Engineering & Technology BASF Coatings, Prof. Hanns-Martin Schoenfeld, University of Illinois at Urbana Champaign, Prof. Heribert Meffert, Leiter Institut für Marketing der WWU Münster, Dr. Frithjof Netzer, Rossoertstab V, BASF, Prof. Klaus Backhaus, Leiter Institut für Anlagen- und Systemtechnologien der WWU Münster.
VCI: Hessen-Workshop zeigt attraktive Projekte für die Schule
Phänomen Farbe 15.07.2002. (chemie report) Freiräume bei der Umsetzung von Lehrplänen ausnutzen, Berufsberatungszentren an Schulen einrichten, Kontakte zwischen Schulen, Hochschulen und Firmen intensivieren, mehr kleine und mittelständische Unternehmen einbeziehen oder Praktika für Schüler an Universitäten vermitteln. Dies sind nur einige Beispiele, die sich Lehrer für eine besseren Chemieunterricht wünschen.
Entstanden ist diese Wunschliste während eines Workshops der Bildungsinitiative Chemie Hessen Mitte April in Frankfurt, zu dem die Chemieverbände, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) sowie die Gesellschaft Deutscher Chemiker eingeladen hatten. Zentrales Ziel der Bildungsinitiative ist es, den Chemieunterricht attraktiver zu gestalten und die Naturwissenschaften für junge Menschen interessanter machen.
Professor Dr. Thomas Schreckenbach, Mitglied im Bildungspolitischen Ausschuss des VCI und Mitglied der Geschäftsführung der Merck KGaA, brachte es auf den Punkt: "Bildung erschließt die Zukunft." Gefragt sei deshalb die Vielfalt der Bildung, die erkannt, zugelassen und permanent weiterentwickelt werden müsse. Dies sei eine Aufgabe von Schulen, Universitäten, Elternhaus, Politik und Verbänden, Schreckenbach betonte, dass Bildung ein übergreifendes Thema sei und damit auch andere Disziplinen neben den Naturwissenschaften in diesen Dialog einbezogen werden sollten. Diese Argumente fanden breite Zustimmung bei den rund 100 Workshop-Teilnehmern aus Bildungspolitik, Schule, Wirtschaft und Gewerkschaften.
Stellvertretend für die Bildungsinitiative Chemie setzte sich Schreckenbach für eine grundsätzliche Kehrtwende in der Bildungspolitik ein und forderte neue Schwerpunkte in der naturwissenschaftlichen Bildung: Ein Drittel der Stunden sollte von der Grundschule an den naturwissenschaftlichen Fächern gehören. Denn gerade bei Kindern in der Grundschule sei das Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen besonders ausgeprägt. Eine entsprechende personelle und materielle Ausstattung müsse an allen Schulen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus müssten die Lehrpläne optimiert sowie die Lehreraus- und –fortbildung verbessert werden.