125 Jahre Lichttechnik an der TU Berlin






 

 


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125 Jahre Lichttechnik an der TU Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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125 Jahre Lichttechnik an der TU Berlin

125 Jahre Lichttechnik an der TU Berlin und
50 Jahre Verein zur Förderung des Fachgebiets Lichttechnik

Der weltweit älteste einschlägige Lehrstuhl feierte am 27. Juli 2007
in einem Festakt sein Jubiläum


1 Die Geschichte des Lehrstuhls

Die Gründungsgeschichte des weltweit ersten Lehrstuhls für Lichttechnik ist untrennbar mit dem Namen WERNER VON SIEMENS  - Bild links-  verbunden. Durch sein persönliches Engagement initiierte er die Gründung elektrotechnischer Institute. Er bemerkte, dass deutsche Hochschulen zwar genügend Wissenschaftler ausbilden, es aber an angemessenen Laboratorien und Geräten für praktische Forschungsarbeit mangelt. 1881 hielt er vor dem neu gegründeten Elektrotechnischen Verein einen Vortrag, aus dem folgendes Zitat stammt: »Es wäre sehr zu wünschen, dass die elektrotechnischen Kenntnisse bald eine größere Ausdehnung erhielten. Es sollten auf allen technischen Schulen, mindestens auf den Technischen Hochschulen, Lehrstühle der Elektrotechnik gegründet werden, um wenigstens unsere technische Jugend mehr vertraut mit der Elektrizitätslehre und ihrer technischen Anwendung zu machen. Mit der wachsenden Kenntnis wird sich dann auch die noch herrschende Scheu vor der Anwendung elektrischer Einrichtungen legen und werden eine Menge allgemein verbreiteter Vorurteile gegen dieselbe schwinden.«

Für die Lichttechnik wird daraufhin
PROF. HERMANN WILHELM VOGEL (1834–1898)  - Bild rechts - an die Königliche Technische Hochschule berufen. Als promovierter Chemiker hatte er sich der wissenschaftlichen Fotografie gewidmet. Seine Arbeiten zur Beleuchtungstechnik, Optik und Farbmetrik waren inspiriert durch Goethe: »Denn die Natur ist aller Meister Meister – sie zeigt uns erst den Geist der Geister. « 1882 hält H. W. VOGEL an der damaligen Technischen Hochschule Charlottenburg die erste lichttechnische Vorlesung »Über elektrisches Licht und Beleuchtungswesen«.

125 Jahre sind seitdem vergangen – ereignisreiche Jahre für den Lehrstuhl für Lichttechnik. Seine Geschichte ist stark von den Entwicklungen der Stadt Berlin geprägt und eng mit den Namen bedeutender Wissenschaftler verbunden:

1888 übernahm PROF. WEDDING die Vorlesungsreihe und das »Beleuchtungstechnische Laboratorium«, das er ab 1916 als Lichttechnisches Institut bis 1945 führte. Damit begann die Tradition lichttechnischer Forschung, die mit Persönlichkeiten wie ARNDT, PIRANI, DRESLER, HELWIG, RICHTER und KROCHMANN eine über Deutschland hinaus reichende starke Ausstrahlung entwickelte.

Die wissenschaftliche Bewertung der Elektrotechnik hat der Göttinger Experimentalphysiker R. W. POHL in seinem Band zur Elektrizitätslehre eindrucksvoll beschrieben: »Für die moderne Nähmaschine ist zweierlei charakteristisch: Das Nadelöhr an der Spitze der Nadel und die gleichzeitige Verwendung zweier unabhängiger Fäden. Ganz ähnlich lässt sich das Wesentliche eines elektrischen Apparates oder einer elektrischen Maschine mit wenigen Strichen darstellen. Der physikalische Kern und die entscheidenden Kunstgriffe sind immer einfach. Die ungeheure Leistung der Elektrotechnik liegt nicht auf physikalischem, sondern auf technischem Gebiet.«

Diese Kernaussage gilt besonders für die angewandte lichttechnische Forschung; auch heute noch ist in der Lichttechnik der praktisch orientierte Ingenieur mit interdisziplinärem Blick gefragt. An diesen Anforderungen richtet das Fachgebiet seine Lehre und die Konzeptionen seiner Forschungsprojekte in der angewandten Lichttechnik aus.

2 Die Geschichte des Fördervereins

Nach dem 2. Weltkrieg übernahm 1953 PROF. HELWIG das Institut für Lichttechnik. Zu dieser Zeit waren die Haushaltsmittel der Technischen Universität Berlin so begrenzt, dass die Arbeitsmöglichkeiten stark eingeschränkt waren. Der Lehrstuhl war deshalb auf Unterstützung durch die Industrie angewiesen. In einem Rundschreiben unterrichtete er entsprechende Unternehmen über die beabsichtigte Gründung eines Fördervereins für die Lichttechnik und bat sie durch eine Mitgliedschaft um finanzielle Unterstützung. Am 19. Juli 1957 begrüßte PROF. W. MEYER, Geschäftsführer der Osram GmbH, im Sitzungszimmer des Unternehmens in der Helmholtzstraße in Berlin Charlottenburg folgende Teilnehmer zur Gründungsversammlung des Fördervereins:

Als Absicht des Vereins formulierten seine Gründer: »Auf diese Weise könne für Studenten der TU Berlin ein erhöhter Anreiz geschaffen werden, sich mit der Lichttechnik zu befassen, was in Hinsicht auf den dringenden Bedarf an Nachwuchskräften wünschenswert wäre.« Hierfür engagierten sich folgende Firmen mit zunächst insgesamt 6250 DM pro Jahr:

Der erste Vorstand des Vereins setzte sich zusammen aus PROF. DR. MEYER als Vorsitzendem, DIPL.-ING. VöLKER als stellvertretendem Vorsitzenden, DIPL.-ING. SPRIEWALD als Schatzmeister und DR. FRüHLING als Schriftführer.

Der Förderverein ist als gemeinnützig anerkannt. Vorstand und Verwaltungsrat arbeiten ehrenamtlich. Der Verein lebt von laufenden freiwillig bemessenen Mitgliedsbeiträgen und Sonderspenden. 102 Förderer (persönliche Mitglieder und Firmen) engagieren sich heute für die Ausbildung lichttechnischer Spezialisten und die Durchführung aktueller Forschungsvorhaben. Einige davon sind noch Gründungsmitglieder von 1957, andere kommen aus Bereichen, die erst jüngst im Rahmen moderner technischer Entwicklungen entstanden sind. Als Vorsitzende wurden bisher stets namhafte Experten aus der Industrie gewonnen:

Das Gründungsmitglied ALFRED VöLKER pflegte in den 1960iger Jahren eine intensive wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit dem damaligen Leiter des Fachgebietes PROF. KROCHMANN.

In seinem Testament verfügte ALFRED VöLKER, einen erheblichen Teil seines Erbes für wissenschaftliche Arbeiten am Fachgebiet Lichttechnik der TU Berlin zu verwenden. Dieses Vermächtnis wurde vom Institut dankbar angenommen. Es investierte einen Teil der Mittel in die Entwicklung und den Bau eines Großgerätes (siehe Bild 3). Zum anderen werden zu Ehren von ALFRED VöLKER am Fachgebiet Lichttechnik der Technischen Universität Berlin herausragende Diplomarbeiten ausgezeichnet. Die bisherigen Alfred-Völker- Preisträger waren:

Der Förderverein verfügte in den letzten Jahren über einen Etat zwischen 40 000 und 50 000 €. Damit war es möglich, Studenten zu fördern und die Laborausstattung zu verbessern. Mittel des Vereins bildeten aber auch den Grundstock (circa 10%) für große Drittmittel- Forschungs- und Entwicklungsprojekte der Bundesregierung, die eine Industriebeteiligung voraussetzten. Die Bilder 4 bis 13 zeigen Versuchsanordnungen und Messplätze, an denen die Forschungsarbeit geleistet wird.

3 Aktuelles Lehrangebot

Mit Beginn des Wintersemesters 2006/07 können sich Studenten an der TU Berlin nur noch in die Bachelor- und Master-Studiengänge einschreiben. Zwar kann man dem Diplomstudiengang nachtrauern; Fakt ist jedoch, Bachelor und Master sind, getragen durch den Bologna-Prozess, die Abschlüsse der Zukunft. Die tief greifenden Reformen waren nicht leicht umzusetzen, und es ist festzustellen, dass Bachelor nicht gleich Bachelor und Master nicht gleich Master ist. Aber die TU Berlin hat den Übergang gut gemeistert und die Studiengänge, in denen die Lichttechnik integriert ist, wurden sämtlich akkreditiert. Vorlesungen, Übungen, Labore und Seminare der Lichttechnik werden in Modulen zusammengefasst und finden sich im Angebot der Studiengänge:

Bild ganz links:
Eine große Demonstrationsfläche informiert die Studierenden über die unterschiedlichen Lampenarten

Blid links:
Die Ausstellung »Farbe und Farbensehen« vermittelt praxisnah lichttechnische Zusammenhänge

 

Die Lehrveranstaltungen der Lichttechnik werden als Pflicht- oder Wahlfächer angeboten. Studierende aller angegebenen Studiengänge können im Fachgebiet Lichttechnik ihre Bachelor- bzw. Masterarbeit anfertigen.
Prof. Dr. Heinrich Kaase, Quelle „Licht“ 6/2007