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Über den Wettbewerb
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Auch die Kommunen haben begriffen, dass Farbe das preiswerteste und effektivste Gestaltungsmittel im Städtebau ist. Mit Farbleitplänen versuchen sie, ihren Innenstädten wieder Atmosphäre zu geben.
Farbe ist Leben. Es sieht so aus, als wären wir im Begriff, diese Weisheit wieder zu entdecken.
Hilfreich könnte
dabei ein Verfahren werden, dass der Münchner Designer Martin Benad in seinem
demnächst erscheinenden Lehrbuch "Architekturfarben" vorstellt: durch die
Veränderung der Helligkeiten einer Grau-in-Grau-Abbildung von Gebäuden lassen
sich ohne Ablenkung durch farbliche Vorlieben oder Abneigungen die richtigen
Farbwerte an der richtigen Stelle erkennen.
Warum ist das Wohnen in Deutschland
oft so farblos?
Warum
sind viele Innenstädte so grau? Warum nehmen Gewerbezweckbauten so selten
Rücksicht auf ihre Umgebung?
Der stern und die Bausparkasse Schwäbisch Hall sind der
Meinung, dass Baukultur ohne eine Gemeinsamkeit von Architektur und Farbe nicht
denkbar ist und rufen deshalb Bauherren und Wohnungsunternehmen, Architekten,
Studenten, Farbgestalter und -berater, Kommunen, Gewerbe und Industrie zu dem
mit 50.000 Euro dotierten Wettbewerb „Mehr Farbe wagen!“ auf.
- Aufklärung über die soziale Bedeutung von Farben im öffentlichen Raum
- Entwicklung einer zeitgemäßen Farbsprache für die aktuelle Architektur
- Darstellung der Möglichkeiten für die Verschönerung von Gebäuden durch Farbgestaltung
- Aufwertung und Imageverbesserung von Kommunen dank Einsatz von Farbe
Geht es um die Form, lässt der Bauherr lieber den Fachmann ran. Bei Farben aber ist plötzlich jeder ein Experte. Alle wollen mitreden.
Doch bei Neubauten ist zu bedenken, dass die Farbe nicht erst nachträglich ins Spiel kommen sollte. Sie muss von Anfang an gleichberechtigter Teil der Planung sein, wenn sie sich ideal mit der Form ergänzen soll.
Aber Architekten mit Freude am Farbenspiel sind selten. Sie haben den Umgang mit farblicher Gestaltung in ihrer Ausbildung ja nicht gelernt.
Zum Glück gibt es heute jedermann zugängliche Computerprogramme, mit deren Hilfe Bauherren zusammen mit dem Architekten oder bei Renovierungen mit dem Maler alle verfügbaren Farben durchspielen können.
Es genügt ein Digitalfoto des Hauses oder die digitalisierte Zeichnung eines Neubaus und das Programm setzt per Mausklick jede gewünschte Farbe ein. Sogar mit Schattenwirkung, damit ein natürlicher Eindruck entsteht.
Doch der Computer kann nur
Hilfestellung leisten, Kreativität ersetzt er nicht. Hier liegt die große Chance
für Architekten, die etwas von Farbgestaltung verstehen – ihnen gehört die
Zukunft.
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Farbe ist
Leben und darum für den Architekten Bruno Taut (1880-1938) ein unverzichtbares Gestaltungsmittel Alle Bilder dieser Seite stern/Schwäbisch Hall |
Der Zukunftsaufgabe Stadtumbau und Modernisierung beschert uns einen Milliardenmarkt, der sich durch ökologische Einsparungen selber finanziert.
Das Umdenken hat begonnen: endlich gibt es Steuer- und Förderprogramme für zukunftsfähige Konzepte und Lösungen, die unsere Innenstädte wieder wohnlich machen und unseren Siedlungen ein Gesicht geben.
Das geht nicht ohne Farbe. Unbegreiflich, dass dieses elementare Gestaltungsmittel in der Baupolitik nach wie vor keine Rolle spielt. Und bisher auch nicht in den Absichten der unermüdlich in Gründung befindlichen Bundesstiftung Baukultur.
Dabei ist eigentlich allen, die beim Bauen und Planen in Deutschland etwas zu sagen hätten, längst klar: ohne eine Architektur mit dem Mut zu einer neuen eigenen Farbsprache wird es in diesem Land keine Baukultur geben, die der Rede wert ist.
Jetzt müssen wir die gemeinsame Sprache von Architektur und Farbe nur noch finden.
Wir
hoffen, dass „Mehr Farbe wagen!“ zur Initialzündung dafür wird.
Der "stern" und
die Bausparkasse Schwäbisch Hall
thomas@sternstadt-forum.de
Schwäbisch Hall und das Magazin stern übergaben die Preise des mit 50.000 Euro dotierten Wettbewerbs „Mehr Farbe wagen!"
Frankfurt am Main, 16.03.2007 – (Schwäbisch Hall) Die Deutschen wünschen sich mehr Farbe in der Architektur. So lautet eine Erkenntnis des gemeinsamen Wettbewerbs „Mehr Farbe wagen!" der Bausparkasse Schwäbisch Hall und des Magazins stern. Der Aufruf fand Gehör. Und der Erfolg überraschte sogar die Veranstalter: Mehr als 1.000 Beiträge zeigen ein Land, das fröhlich Farbe bekennt. Im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt am Main wurden heute die Preise verliehen.
Farbe wirkt! Das belegt der Wettbewerb in beeindruckender Manier und hat Appetit auf Farbe gemacht. „Die Menschen beschäftigen sich sehr mit der Farbe in der Architektur, speziell am eigenen Haus", stellt Susanne Kessen, Jurymitglied und Bereichsleiterin Unternehmenskommunikation der Bausparkasse Schwäbisch Hall, fest. Denn am Einheitsweiß scheinen sich viele satt gesehen zu haben. Insgesamt bescherte „Mehr Farbe wagen!" eine Vielfalt von Möglichkeiten, Architektur farbig zu gestalten. „Durch gar zu buntes Treiben offenbarte die Aktion gelegentlich auch eine unübersehbare Hilflosigkeit im Umgang mit Farbe am Bau, bedingt durch den Mangel an Information bei Bauherren wie Architekten und Malern", sagt Norbert Thomas vom stern und Initiator des Wettbewerbs, anlässlich der Preisverleihung. Das Problem: Gar zu oft werden Farben nach persönlichen Vorlieben ausgewählt, ohne Rücksicht auf die Architektur des Hauses und seine Umgebung. „Auch Moden und Mätzchen spielen leider eine unglückliche Rolle", bedauert Thomas. Der Griff zum Farbtopf – eine Gratwanderung, die alle Preisträger mit Bravour bestanden haben.
Selbstbewusste und umsichtige Bauherren
Den 1. Preis in der Kategorie Private Bauherren gewannen Silvana und Christian Mohr aus Radebeul. Ausschlaggebend für das Juryurteil war der Gesamteindruck des Einfamilienhauses: Gestalt, Farbgebung und Kontext – hier stimmt alles. Der in Rot gehaltene Neubau mit grünen Fensterläden bildet einen Blickfang und fügt sich gleichzeitig unaufdringlich ins Straßenbild. Ausgezeichnet mit dem 2. Preis wurde Gebhard Fiesers sorgfältig restauriertes Haus in Philippsburg. Die alten Details sind liebevoll wiederhergestellt und farblich gegen den Gesamtkörper abgesetzt – ein gutes Beispiel für die Integration von Gestalt und Farbigkeit. In Rostock steht das Haus, das den 3. Platz belegt. Claus Sesselmanns Haus erinnert architektonisch an die 20-er Jahre. In seinem leuchtenden Blau mit den gelblichen Tür- und Fensterrahmen setzt es sich deutlich von seinen stark farbigen Nachbarn ab – eine eigenständige, selbstbewusste Baulückenfüllung.
„Alle drei Beiträge zeigen, welche Wirkung der umsichtige Umgang mit Farbe auf das eigene Haus, den Straßenzug, bisweilen auf die ganze Nachbarschaft hat", fasst Kessen die Wahl der Gewinner zusammen. Ein Ziel der Aktion drückt sich in diesen drei Beiträgen besonders deutlich aus: Die Möglichkeiten, Gebäude mittels Farbgestaltung zu verschönern. Umsichtigkeit war bei allen oberstes Gebot: Gefällt mir die Farbwahl auch in einigen Jahren noch oder ist sie zu sehr der Mode unterworfen? Wie harmonieren die verschiedenen Farben? Fügt sich das Haus dann noch in das nachbarschaftliche Umfeld adäquat ein oder sticht es als grelle Skurrilität heraus?
Architekten setzen auf kräftige Farbakzente
Auch in der Kategorie Architekten, Designer und Studenten musste der Spagat zwischen sichtbarer farblicher Neuerung und dezenter Farbgebung gemeistert werden. Am besten gelungen ist das dem Architekturbüro von Christiane Leiska und Olaf Pook: Mit einem relativ einfachen System von vier Farbtönen geben sie der Fassade eines grauen Hochhausriesen eine abwechslungsreiche, ruhige Struktur. Im Zusammenhang mit der durch großzügige Verglasung geöffneten Fassade entsteht ein freundlicher Gesamteindruck, den die Jury mit dem 1. Preis in der Kategorie Architekten, Designer und Studenten belohnte. Ebenfalls gezielt dosierte das Architekturbüro DI Ernst Giselbrecht die Farbe an der Technischen Universität Graz. Das Projekt erhielt den 2. Preis. Ein wechselndes Muster aus wenigen, klaren Farben ergibt sich dadurch, dass die Innenseiten der geschosshohen, faltbaren Verschattungselemente sich beim Öffnen zeigen. Je nach Blickwinkel zeigt das Gebäude ein ganz unterschiedliches Gesicht. Den 3. Preis bekamen die Architekten Thomas Melder und Hermann Binkert für die farbliche Gestaltung eines Studentenwohnheims, dessen rote Fassade durch Vorhänge in kräftigen Farben hinter hohen Fenstern akzentuiert wird.
Ergänzend zu den drei Hauptpreisen dieser Kategorie wurde ein Sonderpreis für Studenten ausgelobt. Den gewann Stefan Böhme aus Bautzen für seine Umgestaltung einer Unterführung. Vier Farben verwandeln den langweilig bis bedrohlich anmutenden Raum in einen hellen, einladend wirkenden Ort. Weiß, Grün, Gelb und Blau; mehr benötigt Böhme nicht, um aus dem unterirdischen Niemandsland in eine fröhliche, gern besuchte Umgebung zu machen.
Farbe verleiht Kommunen ein freundliches Gesicht
Ein tristes Hochhaus in ein fröhliches verwandeln: Die Charlottenburger Baugenossenschaft hat es verstanden. Für die konzentrierte und effektive farbige Auflockerung eines grauen Großwohnblocks erhielt sie eine Auszeichnung in der Kategorie Wohnungsbaugesellschaften. Engagiert zeigten sich auch die Städte und Gemeinden im Land: Unter allen Einsendungen der Kategorie Kommunen ragte das Bemühen der Stadt Rüsselsheim heraus, die Innenstadt mit einem einheitlichen Gestaltungskonzept zu ordnen und so dem Kernbereich ein strukturiertes Gesicht zu verleihen. „Ein großartiges Projekt, das hoffentlich auch auf andere Städte und Gemeinden Signalwirkung haben wird", erläutert Kessen das Juryvotum. Ebenfalls ausgezeichnet wurden ein Wohnungsbauprojekt in Regensburg, die Bibliotheksgestaltung der Gemeinde Lohfelden im Landkreis Kassel, das futuristische Feuerwehrhaus der Gemeinde Westendorf (Landkreis Augsburg) und die Farbgebung des Schulgebäudes in Stetten am Kalten Markt im Landkreis Sigmaringen.
Gerade anhand der kommunalen Beiträge wurde offensichtlich, wie sehr Städte und Gemeinden dank Farbe eine Aufwertung und einen Imagegewinn erfahren. Die Arbeiten verdeutlichen auch die soziale Bedeutung von Farben im öffentlichen Raum, besonders in Trabantensiedlungen und anderen gesichtslosen, monotonen Stadtvierteln. Alle Preisträger haben diese geforderten Ziele eindrucksvoll beherzigt und umgesetzt.
Vom Industriekoloss zum Kunstwerk
Einen Imagegewinn erhoffen sich auch Unternehmen, die ihre Lagerhallen, Fabriken oder Kraftwerke farblich durchdacht gestalten. Gelingt das, nimmt die Gestaltung Gewerbebauten ihre erdrückende Größe und verleiht ihnen eine für solche Anlagen äußerst reizvolle Ästhetik. In der Kategorie Industrie- und Gewerbebauten ist das zwei Unternehmen gelungen, die sich farblich gekonnt von allen anderen abheben: Die Michelin Reifenwerke in Bad Kreuznach und die Thermische Abfallbehandlung Lauta. Harmonisch in die Landschaft fügt sich das grün bemalte Reifenwerk. Auffallend ist das farbige Reifenprofil, das die beiden Rundbauten ziert. Auch die Thermische Abfallbehandlung Lauta bereichert durch ihre unaufdringliche Farbgebung das Landschaftsbild, weil die massive Technik auf der grünen Wiese hier nicht fremd, sondern optisch reizvoll erscheint.
Nachholbedarf in Deutschland
„Mehr Farbe wagen!" belegt die Wirkung von Farbe in der Architektur und verdeutlicht aber auch, dass der gekonnte Umgang damit nicht selbstverständlich ist. Es herrscht Nachholbedarf in Deutschland. Ohne eine einheitliche architektonische Farbsprache und Schulung im Umgang mit Farbe laufen Siedlungen und Städte Gefahr, ihre mehrheitlich monoton weißen Gesichter gegen kunterbunte, wahllos zusammengestellte Flickenteppiche zu tauschen. „Der Wettbewerb hat einen Impuls gegeben und die Diskussion um das Thema Farbe in der Architektur neu eröffnet", ist Kessen überzeugt.
„Mehr Farbe wagen!" ist die fünfte gemeinsame Aktion von stern und Schwäbisch Hall. Bereits 1996 hatten beide Partner das Projekt „Wunschhäuser der Deutschen" entwickelt. Zwei Jahre später folgte der Wettbewerb „Wohnen in der Stadt". 2002 initiierten der stern und Schwäbisch Hall die Aktion „sternstadt", die Leitprojekte für vitale, soziale Quartiere und Stadtteilzentren suchte. Die Erkenntnisse daraus bildeten die Basis für den Kinder- und Jugendwettbewerb „Baut auf uns!" und für „Mehr Farbe wagen!". tobias.goebbel@schwaebisch-hall.de
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Den 1. Preis in der Kategorie Private Bauherren gewannen Silvana und Christian Mohr aus Radebeul. Der in Rot gehaltene Neubau mit grünen Fensterläden bildet einen Blickfang und fügt sich gleichzeitig unaufdringlich ins Straßenbild. |
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Ausgezeichnet mit dem 2. Preis in der Kategorie Private Bauherren wurde Gebhard Fiesers sorgfältig restauriertes Haus in Philippsburg - ein gutes Beispiel für die Integration von Gestalt und Farbigkeit. |
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In Rostock steht das Haus, das den 3. Platz Preis in der Kategorie Private Bauherren belegt. Claus Sesselsmanns Haus setzt sich deutlich von seinen stark farbigen Nachbarn ab - eine eigenständige, selbstbewusste Baulückenfüllung. |
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Ein Sonderpreis für Studenten wurde in der Kategorie Architekten, Designer und Studenten ausgelobt. Den gewann Stefan Böhme aus Bautzen für seine Umgestaltung einer Unterführung. Den langweilig bis bedrohlich anmutenden Raum hat er in einen hellen, einladend wirkenden Ort verwandelt. |
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Die Gewinner des Wettbewerbs "Mehr Farbe wagen!" wurden am 16. März 2007 im Deutschen Architektur Museum ausgezeichnet. Das Foto zeigt die Preisträger der Kategorie Private Bauherren und Susanne Kessen (rechts), Bereichsleiterin Unternehmenskommunikation der Bausparkasse Schwäbisch Hall. |